25.06. 2011

Veggie Lover Patrick Bolk

Worauf ich mich vor meinem Umzug nach Berlin besonders gefreut habe: neue Restaurants & Cafés zu entdecken, Veranstaltungen zu besuchen, für die die Anreise sonst zu weit gewesen wäre und neue Menschen zu treffen. Anfang Mai fand genauso ein Event statt: das erste „Eat & Meet“ des Blogs „Berlin is(s)t Bio“ im Restaurant „Pappa & Ciccia“. Schon bei meinen Reisen von München nach Berlin war das Blog immer eine gute & wichtige Informationsquelle, denn dort schreibt Patrick Bolk nicht nur über Berliner Restaurants, Cafés & Imbisse, sondern auch über Ökomode, Naturkosmetik sowie Unternehmen oder Veranstaltungen rund um Berlin & Bio. Meine Freude war also groß, bei dieser Gelegenheit den Mann hinter dem Blog persönlich kennenzulernen. Inzwischen haben wir uns gegenseitig jede Menge Locations empfohlen, gemeinsam auch einige ausprobiert und das ein oder andere Gespräch über Veganismus geführt. Denn kürzlich hat sich Patrick mit einem Artikel als Veganer geoutet – ein guter Grund, ihm Fragen zu seinem Blog, Berlin und Essen zu stellen. Eins verrate ich gerne: seit ich ihn kenne, lese ich sein Blog noch lieber.

  • Dein Blog „Berlin is(s)t Bio“ gibt es schon seit 2008 – wie kam es dazu & warum hast Du damals mit Schreiben angefangen?

Ich bin 2008 nach Berlin gezogen und hatte Spaß daran, neue Bio-Gastro-Locations zu entdecken. Erstaunlicherweise gab es keine Internetseite mit einem guten Überblick oder einen Blog, der explizit zu diesem Thema etwas schrieb. Also dachte ich: warum nicht einfach selber machen? Also habe ich einfach losgelegt und war recht erstaunt, wie schnell die Besucherzahlen auf meinem Blog stiegen. Im Verlaufe der Zeit habe ich das Themenspektrum stark ausgeweitet und schreibe nun auch über Berliner Unternehmen, die öko-faire Produkte herstellen sowie über weitere nachhaltige Themen, wie zum Beispiel gerade meine neue Artikelserie über Veganismus.

  • Waren Dir biologische, regionale & faire Produkte schon immer wichtig oder war das eine langsame Veränderung Deiner Lebens- und Konsumgewohnheiten?

Das war ein sehr langsamer Prozess, der sich über circa sieben Jahre hinzog, angefangen von der Umstellung auf Bio-Produkte, Ökostrombezug, Naturkosmetik, Ökomode und schließlich auch die Entscheidung, mich fortan vegan zu ernähren. Angefangen hat diese Entwicklung mit einer Freundin, die sich „bio“ ernährte, während ich mir keinerlei tieferen Gedanken über meine Ess- und sonstigen Lebensgewohnheiten machte. Anfangs habe ich sie tatsächlich sehr belächelt und verspottet. Aber mit steigendem Informationsgrad und positiven Erlebnissen, wie eben leckeren Bio-Essen fing ich an, Vorurteile abzubauen und mich immer stärker für nachhaltige Themen zu interessieren. Ich versuche inzwischen persönlich möglichst ganzheitlich nachhaltig zu leben, denn Bio alleine rettet die Welt nicht. Verzicht auf ein Auto oder unnötige Flüge, ein sehr bewusster Konsum oder eben die Umstellung auf eine vegane Ernährung sind mir ebenfalls wichtig. Ich finde es übrigens schade, dass viele Veganer zwar nicht dafür verantwortlich sein wollen, dass Tiere zu Schaden kommen, sich aber keine Gedanken darüber machen, dass durch ihr Konsumverhalten möglicherweise Mensch und Umwelt zu Schaden kommen – beispielsweise durch den Einkauf nicht fair hergestellter Kleidung oder den Kauf von konventionellen Lebensmitteln, die stark mit Giften bespritzt wurden und/oder durch die halbe Welt geflogen sind. Wer sein Geld bei der Deutschen Bank liegen hat, unterstützt möglicherweise den Bau von Personentretminen und ist indirekt vielleicht für das Töten von Kindern zuständig. Ein Ökostromwechsel hingegen ist so einfach. Und so weiter. Es reicht meiner Meinung nach nicht, sich da ein „Feld“ raus zu picken und den Rest zu ignorieren. Ich freu mich, wenn Menschen über ihren Tellerrand hinaus gucken, im wahrsten Sinne des Wortes.

  • Zum Blog gibt es inzwischen eine Bio-Karte, ein Buch sowie regelmäßige „Eat & Meet“-Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit Berliner Gastronomen. Welche Pläne für die Zukunft hast Du – falls Du die schon verraten willst?

Ich würde gerne eine Smartphone-App machen, das bietet sich an. Außerdem vielleicht den Nachfolger des Buches. Da ich den Blog alleine mache, ist meine Manpower natürlich recht begrenzt, daher dauern solche Projekte leider etwas länger. Aber ich habe noch sehr viele Ideen.

  • Kürzlich hattest Du Dein veganes „Outing“. Dabei hast Du von den teilweise ungläubigen Reaktionen in Deinem Freundeskreis berichtet – wie waren die Reaktionen auf Dein öffentliches Outing?

Mein öffentliches „Outing“ hat sehr viel positive Resonanz mit sich gebracht. Abgesehen davon, dass dieser Artikel der am häufigsten gelesene in der Geschichte des Blogs war, habe ich tatsächlich so einige Mails und Feedback über den Blog beziehungsweise Facebook von Veganern bekommen, die mir zu dieser Entscheidung gratuliert haben. Negative Reaktionen gab es hingegen keine. Und sogar einige fleischessende Freunde haben mir zu diesem Schritt gratuliert, das fand ich wirklich gut. Schade nur dass Letztere glauben, „sie könnten das nicht“. Ich glaube nämlich, sie könnten das − die Umstellung ist nicht so dramatisch, wie die meisten meinen, da gibt es leider einfach zu viele Vorurteile und falsche Vorstellungen.

  • Viele vegan lebende Menschen haben ein bestimmtes Schlüsselerlebnis, das sie der veganen Lebensweise überzeugt. Gab es so was auch bei Dir?

Das würde ich so nicht sagen. Ich war zuvor schon gar nicht so weit von einer veganen Ernährung entfernt und dann haben meine Recherchen im Zusammenhang mit dem geplanten Artikel über Veganismus mir den letzten Kick gegeben. Bücher wie „Tiere essen“ oder „Anständig essen“ haben mir dabei den Weg geebnet. Ich hatte mir zum Beispiel einfach ganz ehrlich nie so viele Gedanken über Milch- und Eierkonsum gemacht. Als ich das tat, wurde mir zunehmend klar, dass ich das keinesfalls unterstützen möchte. Und so beschloss ich, ab sofort vegan zu leben. In der Biohaltung werden Tiere ja auch nicht totgestreicheltý und letztlich werden sie dort genauso ausgenutzt und getötet, auch wenn sie vorher ein wenig besser leben durften.

  • Wie hat Veganismus Deinen Alltag, Kochgewohnheiten & Dein Leben verändert?

Meinen Alltag berührt das nicht so dramatisch. Aber: Ich koche mehr und lieber als vorher, und es fühlt sich einfach sehr gut an, dass kein Tier dafür leiden musste. Ich achte natürlich stärker beim Einkauf auf die Inhaltsstoffe, da sich oft tierische Inhaltsstoffe in Produkten befinden, bei denen man das nicht unbedingt erwarten würde. Interessanterweise habe ich aber auch so einige Menschen dadurch kennengelernt, sogar (vegane) Freundschaften sind entstanden. Man muss auch dazu sagen, dass es einem in Berlin schon einfacher gemacht wird, vegan zu leben als zum Beispiel in einer Kleinstadt, wo es kein Angebot an veganer Gastronomie gibt.

  • Inwieweit beeinflusst Veganismus nun Berlin is(s)t Bio?

Ich habe tatsächlich kurz überlegt, ob ich den Blog weiterschreibe. Wie sollte ich damit umgehen, dass auf meinem Blog über Restaurants berichtet wird, die tierische Produkte anbieten? Dann habe ich mich aber dafür entschieden, den Bekanntheitsgrad des Blogs auch dafür zu nutzen, „sanft“ für ein Umdenken zum Veganismus zu werben. Einerseits durch meine Veganismus-Reihe, aber auch in dem natürlich zukünftig nur vegane Gerichte in Restaurants esse, und darüber positiv berichten kann. Das Thema erhält also einen viel stärkeren Anteil am Blog.

  • Als Neu-Berlinerin bin ich immer auf der Suche nach gutem bio & veganem Essen. Was sind denn Deine Lieblinge – Restaurant, Imbiss, Café oder Eisdiele?

Die vegane Restaurants-Szene ist tatsächlich selbst in Berlin noch sehr übersichtlich. Mein liebstes veganes Restaurant ist das Viasko, ich brunche gerne vegan im Café Morgenrot und für veganes Fast Food empfehle ich das Vego. Das beste vegane Eis gibt es meiner Meinung nach bei Tanne B.

Patrick beim ersten “Eat & Meet”, Bild © Gaia Marturano, www.gaiamarturano.it

2 Kommentare zu „Veggie Lover Patrick Bolk“

  1. Interview auf Veggie Love « Berlin is(s)t Bio sagt:

    [...] und was sie sonst so zum Thema Nachhaltigkeit zu sagen haben. Ich hatte die Ehre, mich den Fragen von Franziska stellen zu dürfen. Die Rubrik heißt übrigens „Veggie Lover“, ist aber [...]

  2. GCB Shares: Bavarian Beats, Gender Roles in Yoga, Slutwalks and Facebook-Marketing | Bank Vergleich - Girokonten-Kredit-Tagesgeld-Bank Vergleich portal sagt:

    [...] Elke Brüns stellt den Kunstband Armut in der Kunst der Moderne vor. Franziska Schmid hat Patrick Bolk interviewt, Macher des bekannten Öko-Blogs Berlin is(s)t Bio. Boy’s [...]

Kommentieren