Trendwalk: Konsum, Trends und Nachhaltigkeit – wie passt das zusammen?

Trendwalk Franziska Schmid by Fred Ferschke

Was viele nicht wissen – ich habe nicht Nachhaltigkeitswissenschaften studiert und in Veganismus promoviert. Das war damals leider nicht möglich. Studiert habe ich also das nächst naheliegende, nämlich Betriebswirtschaftslehre. Abgeschlossen habe ich dieses Studium mit einer Diplomarbeit mit einem ganz und gar untypischen Thema für meinen Fachbereich: „Vergleichende Analyse von Zukunftstrends für Deutschland“. Das Schreiben dieser Arbeit hat mich fast meine geistige Gesundheit gekostet (und die meines Betreuers dazu). Geliebt habe ich aber die Beschäftigung mit der Zukunfts- und Trendforschung und ich habe schon lange vor der eigentlichen Arbeit stapelweise Bücher von Zukunfts- und Trendforschern verschlungen.

Als ich im Winter 2010 zum ersten Mal den Konsumsoziologen Dr. Ragnar K. Willer von OC EO Consult bei einem Vortrag über grüne Konsumtrends erlebt habe, war ich nachhaltig begeistert. Seine Expertise ist umfassend, er ist nie um eine wirklich superschlaue Antwort verlegen und ich könnte ihm stundenlang zuhören, wenn er sein Wissen teilt und von seinen Beobachtungen berichtet.

Im August durfte ich das dann auch. Ganze fünf Stunden lang. Denn der eco showroom lud zum Trendwalk ein. Da ging es um Trends, Nachhaltigkeit und Konsum und wie das alles zusammen passt. Und wo ginge das besser als in Berlin − einer Stadt, in der ständig neue Trends in Sachen Nachhaltigkeit entstehen.

Was haben wir beim Trendwalk gemacht?

Dr. Ragnar Willer hat uns an Orte des Wandels geführt, an denen eine neue Art des Konsums schon erkennbar ist und an denen Nachhaltigkeit aus Überzeugung in ein Geschäftskonzept integriert wurde. Da ist zum Beispiel das Fahrradgeschäft − oder besser gesagt die Radboutique − stilrad. Dort gibt es Fahrräder zu kaufen, die genau wie Autos, nach persönlichen Wünschen und Vorlieben zusammen gebaut werden. Mit echter Handwerkskunst in Deutschland und Europa hergestellt – der Trend Individualisierung trifft Nachhaltigkeit.

Weitere Orte des Wandels

Das italienische „Szene Restaurant“ Pappa e Ciccia mitten in Prenzlauer Berg, das sich immer gut gefüllt großer Beliebtheit erfreut. Vor einiger Zeit hat sich das Restaurant biozertifizieren lassen, vegane Gerichte auf die Karte gebracht und hält engen Kontakt mit der Vielzahl seiner Lieferanten. Darüber hinaus wird großen Wert auf energieeffiziente Küchenausstattung gelegt.

Ein Ort, an dem ich persönlich keine Nachhaltigkeit vermutet hätte: ein Fitnessstudio. Das Trainingslager ist nicht irgendeine Muckibude, sondern vielmehr ein exklusiver Fitnessclub. Auf Sauna und Wellnessbereich wurde aus energieeffizienten Gründen verzichtet und auch bei den Sportgeräten wurde darauf geachtet, dass diese aus recycelbaren Materialen hergestellt wurden. Exklusiv ist hier aber nicht unbedingt das Ambiente, sondern dass man zusammen mit einem Personal Trainer trainiert. Auch hier wieder Individualisierung und Nachhaltigkeit.

Besonders gefallen hat mir das Einrichtungshaus und Inneneinrichtungsbüro Green Living. Hier gibt es nicht nur Einrichtungsgegenstände aus Naturmaterialien, wie beispielsweise Holz aus der Region, sondern auch für jeden Bereich der Einrichtung eine Fachfrau oder Fachmann, die oder der mit grünem Rat und Tat zur Seite steht.

Darüber hinaus hat Dr. Ragnar Willer über urbane Gärten berichtet, von Recycling und dem besseren Weg des Cradle-to-Cradle-Prinzip sowie dem Trend der Moralisierung, über den der Soziologe Nico Stehr schreibt.

Nachhaltigkeit ist definitiv ein Zukunftsthema und nicht nur ein flüchtiger Trend. Auch wenn derzeit das Wort Nachhaltigkeit in aller Munde ist und für meinen Geschmack viel zu inflationär benutzt wird. Dennoch geht es in unserer Zeit darum, anders zu handeln und auch Verhaltensänderungen vorzunehmen. Sich selbst zu sensibilisieren, was man eigentlich braucht und was nicht. Und wenn man etwas kauft, welche Art von Unternehmen man mit seinem Geld unterstützen möchte. Darüber hinaus braucht ebenfalls ein Umdenken von Seiten der Unternehmern und Hersteller, nämlich nicht nur nach Gewinnmaximierungsprinzipien zu agieren, sondern den Mensch wieder in den Mittelpunkt des Handelns zu stellen.

Der eco showroom veranstaltet regelmäßig Trendwalks mit Dr. Ragnar K. Willer. Am Freitag, den 18. November findet der nächste Termin statt. Weitere Infos hier.

© Fotos: Frederik Ferschke

Kategorie Food
Autor

Ich bin Franziska und liebe schöne Dinge. Dazu gehören für mich unbedingt Mode sowie Kosmetik und auch gutes Essen in coolen Restaurants. Aber schön soll es nicht nur für mich sein, sondern auch für andere. Nämlich die Umwelt, Tiere und Menschen. Deshalb: vegan, eco und fair.

5 Kommentare

  1. Mh, das klingt auf jeden Fall interessant, aber ist das nicht irgendwie „Öko für die Oberklasse“? Ich meine, den Fitnessclub, die Fahrräder, das kommt doch schwer beim Durchschnittsverbraucher an und die muss man ja mitziehen, wenn die nachhaltige Idee auch wirklich umgesetzt werden soll.
    Mich würde auf jeden Fall interessieren, welche Rolle Nachhaltigkeit im Leben von nicht-priviligierten Menschen spielt und wie sich da der Alltag umgestalten lässt, denn das wäre ja am effizientesten, oder?

    • Liebe Dani – ich finde, Öko hat nichts mit Oberklasse, reich oder arm zu tun. Sondern ist eine Einstellung und Haltung. Wie ich geschrieben habe: für mich geht es darum zu überlegen, was brauche ich und was eben nicht. Und dann bewusste Entscheidungen zu fällen, dass zum Beispiel eine große Modekette kein Geld von mir bekommt, dafür aber ein Label, das bio/fair/vegan ist. Wenig oder weniger zu kaufen, ist immer noch die beste Lösung. Egal, wie der Kontostand aussieht. Dennoch braucht man ab & an eine Hose, Schuhe oder Einrichtungsgegenstände. Aber auch hier kann dann entschieden werden: kaufe ich die gebraucht (was ohnehin immer am Nachhaltigsten ist) oder investiere ich in etwas, das zwar teurer ist, aber mein Leben lang hält und zudem noch bio/fair/ungiftig ist. Beim Trendwalk haben wir Orte in Berlin Mitte und Prenzlauer Berg gesehen – ja, das sind Stadtteile, die inzwischen ziemlich chic sind. Der Trendwalk hat sicher auch nicht die Intention, die breite Bevölkerungsmasse zur Nachhaltigkeit zu führen. Dafür braucht es andere Kanäle und Massnahmen. Für mich als Bloggerin/Journalistin und Öko war es dennoch sehr interessant zu sehen, wie sich zum Beispiel ein Unternehmen wie stilrad, dafür entschieden hat, nicht in breiter Masse zu fertigen, sondern eine Nische zu besetzen. Nicht weil sie damit mehr Geld verdienen, sondern weil es schon immer der Firmenphilosophie entsprach, auf kleine Stückzahlen, Handwerkskunst und persönliche Betreuung zu setzen.

      Liebe Nicole – bin gespannt auf Deinen Bericht und welche Orte Dr. Willer dieses Mal zeigen wird. Viel Spaß dabei!

      Love & Veggies, Franziska

  2. Ich meinte das ja auch weder negativ, noch persönlich ;) Aber wirklich nachhaltig ist für mich nur das, was viele Menschen umsetzen können, wenn wenige Zugang dazu haben, ist es nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Was nicht heißt, dass man es nicht trotzdem tun soll, ganz im Gegenteil, insofern finde ich die Ideen die du beschreibst auch wirklich gut.
    Ich persönlich kenne auch viele Menschen, die eben nicht einfach so weniger/anders konsumieren können und denen muss das ermöglich werden.

    • Keine Sorge, ich hab mich nicht angegriffen gefühlt. Du sprichst was Wahres an – Nachhaltigkeit muss in allen Köpfen verankert sein und allen zugänglich sein (im Denken & Handeln), damit was passiert und sich die Dinge ändern.

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