Vegan Fashion Q & A

Wenn es um Veganismus geht, denken die meisten zuerst ans Essen. Mir ging es genauso – als ich Veganerin wurde, begann die Umstellung zuerst in meinem Kühlschrank, danach ging es im Badezimmer weiter und kurz nach folgte der Blick in meinen Kleiderschrank und ins Schuhregal. Gutes Essen lag mir schon immer besonders am Herzen, aber auch für Mode habe ich mich schon sehr früh begeistert. Als Kind habe ich die Modemagazine meiner Mutter gelesen und heute gehe ich selbst zur Fashion Week. Vor einiger Zeit würde ich von der „Nürnberger Zeitung“ zum Thema vegane Mode interviewt. Da nur ein kleiner Teil meiner Antworten im Zeitungsartikel aufgetaucht sind, hatte ich die Serie „Vegan Fashion Q & A“ begonnen, weil Veganismus eben nicht an der Küchentür aufhört.

  • Wie wird vegane Bekleidung hergestellt? Ist alles an Trends möglich? Bei Öko-Mode sind zum Beispiel manche Farben nicht möglich. Vegane Mode kann konventionell oder ökologisch hergestellt werden. Ein T-Shirt von H&M, gefertigt aus konventioneller Baumwolle, ist vegan. Aber eben nur vegan, und weder ökologisch noch ethisch gut. Oder Kunstleder, das PVC enthält, ist auch vegan. Deshalb gelten für mich für gute vegane Mode die gleichen Regeln, wie für Öko-Mode: ökologische Anbauweise und das Färben mit ungiftigen und/oder pflanzlichen Farben sowie faire Arbeits- und Herstellungsbedingungen. Der Anbau von Biobaumwolle ist viel schonender für die Böden und für die Bauern, die nicht mit dem Dünge-Gift in Berührung kommen. Auch das pflanzliche und ungiftige Färben von Stoffen ist besser für die Umwelt, die Färber und diejenigen, die das Kleidungsstück direkt auf der Haut tragen. Mit Pflanzenfarben kann nicht jeder Farbton gefärbt werden. Aber wer möchte schon für gesundheitsschädliche oder giftige Trendfarben am Körper tragen? Ich finde es viel wichtiger, sich darauf zu konzentrieren, welche Vielfalt an pflanzlichen Farben es schon gibt. Lebenskleidung aus Berlin bietet sehr schöne Stoffe aus Biobaumwolle, die mit Pflanzen wie Färbekrapp, Gerberakazie, Zwiebel, Haritaki, Indigo, Kurkuma und Granatapfel gefärbt werden. Granatapfel macht beispielsweise ein wunderschönes Rosa.
  • Wie kann ich vegane Mode erkennen − im Geschäft und auf der Straße? Indem ich das Kleidungsstück und das Etikett anschaue: hat es Applikationen aus Leder? Ist es mit Daunen gefüttert? Und auf dem Etikett stehen, wie bei Lebensmitteln auch, die verwendeten Materialien. Auf der Straße ist es nicht ganz so einfach, vegane Mode zu erkennen. Dort kann ich oft ja auch nicht konventionelle Bekleidung von Öko-Mode unterscheiden.
  • Ist vegane Mode gleich Öko und Fairtrade? Warum beziehungsweise warum nicht? Wie geschrieben, ein Kleidungsstück ohne Wolle und Leder und aus konventioneller Baumwolle ist noch lange nicht ökologisch oder fair hergestellt. Öko-Mode war sehr lange eine Nische und ist in den letzten Jahren langsam gewachsen. Immer mehr, vor allem junge und kleine Labels machen tolle Mode, die gut ist und richtig gut aussieht. Meiner Meinung nach und da wiederhole ich mich gerne: gute Mode ist aus ökologischen und nachhaltigen Materialien, unter fairen Arbeitsbedingungen gefertigt sowie ohne tierlichen Materialien.
  • Wo kann ich vegane Mode kaufen? Wo gibt es Geschäfte oder muss ich übers Internet bestellen? In Nürnberg, München, Hamburg und bald Stuttgart gibt es glore, einen Concept Store for Globally Responsible Fashion. Dort wird ökologische und faire Mode verkauft. Darüber hinaus hat glore einen Online-Shop. Ein High Fashion Label ist Umasan. Die beiden Schwestern Anja und Sandra Umann machen schicke, luxuriöse, ökologische und vegane Mode. In Berlin gibt es einen Flagship Store sowie auch einen Online Shop für alle anderen. Das Streetstyle Label Greenality macht ganz tolle T-Shirts und Hoodies aus Biobaumwolle, fair hergestellt und mit ungiftigen Farben gefärbt. Eine komplett vegane Online Boutique ist Muso Koroni − ein richtiges Ladengeschäft in Wien ist auch schon in Planung. Und auch im Online Shop von Unique Nature findet sich jede Menge nachhaltige Mode und Accessoires, dort gibt es beispielsweise die schönen Taschen von Reveal, die aus recycelten Materialien hergestellt werden. Herren werden mit Sicherheit bei brainshirt fündig, dort gibt es Hemden, Socken und bald Boxershorts.  In München gibt es die Läden iki M. und in Berlin Wertvoll und De la Reh. Eine Liste mit allen grünen Modeläden in Deutschland ist im Blog Grüne Mode zu finden.
  • Gibt es qualitative Unterschiede zu konventioneller Bekleidung? Zum Beispiel zur Haltbarkeit, Tragekomfort von Lederschuhen? Ich hatte Schuhe aus Leder, die so unbequem waren, dass ich sie nicht länger als eine Stunde tragen konnte. Bei Bekleidung geht es meiner Meinung nach um Qualität und Langlebigkeit. Ideal sind qualitativ hochwertige Materialien, die fair, ökologisch und vegan sind und sorgfältig verarbeitet werden. Auch für ökologische Mode gelten die üblichen Regeln: gute Passform und Verarbeitung sowie Tragekomfort.
Kategorie Fashion

Ich bin Franziska und liebe schöne Dinge. Dazu gehören für mich unbedingt Mode sowie Kosmetik und auch gutes Essen in coolen Restaurants. Aber schön soll es nicht nur für mich sein, sondern auch für andere. Nämlich die Umwelt, Tiere und Menschen. Deshalb: vegan, eco und fair.

5 Kommentare

  1. Vegane Kleidung ist toll. Sowas gehört viel mehr unterstützt. Online gibt es auch viele gute Angebote. Das Magazin muss ich mir mal an sehen sieht sehr interessant aus.

    lg

  2. Hallo, ich habe mal eine Frage an den Profi :-)
    Du schreibst, ein T-Shirt von H&M aus 100%iger Baumwolle ist vegan . . . aber stimmt das wirklich? Wie ist das mit den Farben? Woher weiß ich, das bei H&M nur pflanzliche Farben benutzt werden? Lieben Dank und Grüße, Alex

  3. Liebe Alex (lieber Alex?), ehrlich gesagt hatte ich beim Schreiben ein weißes T-Shirt im Kopf – das hätte ich klarer formulieren sollen. Nichtsdestotrotz ist natürlich die Frage nach den Farben eine berechtigte. Gerade letzte Woche habe ich wieder einen Vortrag der Textil- und Handelsagentur Lebenskleidung aus Berlin gehört, bei dem es auch um die Zustände in der Textilindustrie in Indien ging. Gerade die Färber leiden – zusammen mit den Baumwollbauern – an gesundheitlichen Schäden durch Chemikalien. Mit Sicherheit kann ich also nicht sagen, ob ein bedrucktes oder eingefärbtes T-Shirt von H&M nur mit chemischer Farbe gefärbt wurde, die keine tierlichen Inhaltsstoffe enthält. Hierfür ist schon eine Produktanfrage an H&M notwendig und ich werde auch noch mal bei Lebenskleidung nachfragen, ob sie wissen, was genau in konventioneller Färbefarbe enthalten ist. Dass bei H&M pflanzliche Farben verwendet werden, würde mich doch sehr überraschen. Meine Empfehlung ist, dass eher weniger und dann ein etwas teureres Kleidungsstück bei einem ökologisch korrekten Anbieter gekauft wird – am besten mit fair gehandeltem Material und gefärbt mit ungiftiger oder am besten Pflanzenfarbe. Second Hand ist ebenfalls eine gute Alternative – im besten Fall wurde das Kleidungsstück nämlich schon diverse Male gewaschen und die Chemie ist somit leider schon im Abfluss gelandet, aber nicht auf der Haut des neuen Käufers. Wie die Fashion Week letzte Woche wieder gezeigt hat, gibt es gerade in der Modeindustrie noch viel zu tun, auch bei den Öko-Labels – hier ein guter Link zu Hart aber Fair, dort ging es diese Woche um Mode (Mein Kleid, dein Leid): http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=9338178 Vielen Dank für Deine Nachfrage und ich hoffe, ich konnte Dir weiter helfen. Love & Veggies, Franziska

  4. Pingback: Lebenskleidung - pflanzlich gefärbte Bio-Stoffe und Handtücher

  5. Hey, auch ich bin dabei, mich für die vegane Haltung zu entscheiden (und es fällt mir momentan noch nicht leicht, weil auch die Industrie es wirklich schwer macht). Neben dem Fakt, dass öko und fair trade noch lange nicht vegan sind (hast du ja auch erklärt!), vergessen die meisten, dass auch Lösungsmittel vegan und ohne chemische Belastungen sein sollen, wenn man alles richtig machen möchte. Zum Glück kann man auch in Deutschland ein zwei Marken finden, die vegane Mode und Accessoires vertreiben. UMASAN fällt mir da natürlich als erstes ein. Hab erst vor Kurzem dazu einen interessanten Beitrag gelesen (http://www.fashion-und-lifestyle.de/vegane-mode/). Da ist so ein bisschen erklärt, wie UMASAN ihre Stoffe entwickeln. Das meiste ist natürlich geheim und patentiert, aber die Materialien sind schon mal genannt. :)

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