Allow me to re-introduce myself

Franziska Schmid Veggie Love Fotocredit Frederik Ferschke

Diese Worte stammen von Jay-Z. Seine Musik begleitet mich schon ewig und in so mancher Nachtschicht hat mich sein Sound wach gehalten und die Worte leichter in die Tastatur fließen lassen. In den letzten Monaten bin ich allerdings vollkommen verstummt, vielleicht sogar schon in den letzten Jahren.

Um vollkommen ehrlich zu sein, seit fast einem Jahr lag dieses Dokument mit diesem Titel in meinen Entwürfen. Da hat beim Schreiben auch noch keine noch so laute Musik auf den Ohren geholfen, die Worte wollten einfach nicht kommen oder sie klangen hohl und gekünstelt.

Gleich noch ein weiteres Geständnis: dieser Artikel lag so lange in der Schublade, weil ich mich nicht getraut habe, richtig ehrlich zu sein. Deshalb klangen sicherlich auch alle Worte künstlich und falsch. Uns Blogger*innen wird oft gesagt, dass wir glaubwürdig und authentisch sein müssen. Noch öfter sprechen wir als Blogger*innen selbst davon, dass wir glaubwürdig und authentisch sein wollen. Was mich an meiner Arbeit am Blog allerdings oft gestört hat: ich bin über die Jahre gefällig mit meinem Inhalten und Artikeln geworden. Deshalb beginnt nun eine neue Ära der Ehrlichkeit und Transparenz. In allem. Hier kommt also meine Geschichte, wie ich sie noch nie aufgeschrieben und erzählt habe: ungeschönt.

Passend, dass es auch nun wieder Jay-Z ist, dessen Worte mir den Einstieg in diesen Text erleichtern.

Allow me to re-introduce myself.

2009 – die Anfänge.

Ich erinnere mich noch genau an den Moment, in dem mir empfohlen oder vielmehr dazu geraten wurde, ein Blog zu gründen. Ich saß bei meiner damaligen Coachin Ulrike Bergmann im Sessel, um Klarheit für meine bevorstehende Selbständigkeit zu bekommen und heraus zu finden, wie diese überhaupt aussehen soll.

Ich sprach von Naturkosmetik, fairer Mode und tollen Restaurants und wie sehr mich meine damals ganz frische vegane Lebensweise beschäftigte und begeisterte. Und da war er: der kleine, aber im Nachhinein sehr entscheidende Hinweis auf ein eigenes Blog als Business.

Erst war ich zögerlich, das weiß ich noch genau. Blogs waren damals meist noch Online-Tagebücher oder ein Hobby. Mein Privatleben wollte ich keinesfalls digital verewigen und auf der Suche nach einer Nebenbeschäftigung war ich auch nicht. Ich wollte einen neuen Beruf, selbständig arbeiten und mich mit den Themen beschäftigen, die mich den ganzen Tag nicht los ließen.

Je mehr ich allerdings darüber nachdachte, desto größer wurde meine Überzeugung: dieses neuartige Medium passte ganz hervorragend zu meinen neuartigen Gedanken rund um Nachhaltigkeit (über die damals schon einige Menschen redeten) und Veganismus (worüber niemand sprach) und wie diese beiden unterschiedlichen Welten meinem Empfinden nach zusammen gehörten.

Meine Vision und mein Wunsch für mein Blog wuchsen täglich. Notizbücher füllten sich mit Blognamen, Ideen, Orten und Menschen, über die ich schreiben wollte. Es war als würden alle Puzzleteile auf einmal perfekt zusammenpassen: schon immer habe ich gerne schöne Dinge entdeckt. Kosmetik liebe ich seit ich denken kann. Während der Schulzeit träumte ich davon, nach dem Abitur an einer Modeschule zu studieren. Gutes Essen ist Teil meiner DNA. Ständig spricht man in meiner Familie von Lebensmitteln, Rezepten und was man kochen oder backen könnte. Meine Entdeckungen rund um Kosmetik, Mode und Gastronomie habe ich schon immer im Freundeskreis geteilt. Irgendwie hörte ich immer schon von Marken und Produkten, bevor sie überhaupt den Weg in die Läden fanden. Egal in welcher Stadt ich unterwegs war, ich wusste immer, wo sich das nächste coole Café oder schöne Restaurant versteckte.

Mit der Umstellung beziehungsweise Rückkehr zu einer nachhaltigen Lebensweise, wie ich sie schon als Kind in meiner Familie erlebt habe, erweckte bei meinen Freunden große Neugier. Als Vegetarierin kannten mich alle, neu war meine vegane Ernährungsweise, die sich rasch auch in anderen Bereichen meines Lebens breit machte: in meinem Badezimmer war nur noch vegane Naturkosmetik zu finden und in meinen Kleiderschrank durften nur noch vegane und faire Öko-Teile einziehen.

Auch die Besuche in Cafés und Restaurants fanden mit einem neuem Blickwinkel statt. Für mich stand fest: nur weil sich meine Lebensweise verändert hatte, wollte ich nicht auf ein schönes Leben mit schönen Dingen verzichten. Nur sollte mein schönes Leben eben nicht auf Kosten von anderen – der Umwelt, anderen Menschen oder Tieren – statt finden.

Damit veränderte sich auch meine Definition von „schön“: Schön war und ist nur noch, wenn Ästhetik und Ethik aufeinandertreffen. Ein Produkt muss gut sein (in der Herstellung sowie von den Inhaltsstoffen her) und gut aussehen. In meinen Anfängen habe ich oft gesagt: Veganismus ist gut und sieht gut aus.

Das Verbinden von Nachhaltigkeit und Veganismus mit Schönheit und Leichtigkeit wurde zu meiner Mission. Die Essenz von Veggie Love (der Name, den ich nach einiger Zeit für mein Blog fand) war und ist allerdings eine andere: meine Freude an guten Geschichten.

Unterwegs zu sein und schöne Dinge und Orte zu entdecken: Läden, Cafés, Produkte, Marken, Unternehmen. Das liebe ich. Die Menschen hinter den Marken und Produkten kennenlernen. Einblicke hinter den Kulissen zu bekommen – ob in einem großen Unternehmen oder einem kleinen Laden. Meine Finger in Cremetöpfe stecken, essen probieren, über meine Lieblingsthemen Essen, Kosmetik und Mode fachsimplen. Neues erfahren und lernen. Die Geschichten hinter den Orten und Dingen hören. Die sauge ich auf wie ein Schwamm. Meist sind diese Geschichten sehr inspirierend, sie berühren und begeistern mich. Das Gehörte und Gesehene zu teilen, das bereitet mir die allergrößte Freude.

Kochbuch Vegan Queens von Sophia Hoffmann mit Franziska Schmid von Veggie Love

2010 – der Weg.

Und so erblickte Veggie Love im August 2010 das Licht der Welt. Oder vielmehr die Pixel meiner Worte wurden im Internet sichtbar. Meine Mutter druckte meinen ersten Artikel für meine Oma aus, sie hat mir ihre Liebe zur Ganzheitlichkeit und Natur vererbt. Ein paar Tage nach dem Start des Blogs erschien auch schon mein erster Artikel in einer Zeitschrift: ein nachhaltiger und veganer City Guide für München. Die ersten Jahre waren wild: ich schrieb für Veggie Love und andere Publikationen über Kosmetik, Mode und Gastronomie, hielt ständig Vorträge über Veganismus und das Bloggen, zog von München nach Berlin und irgendwann kam der erste Buchvertrag.

Viele ganz tolle und wunderbare, aber auch viele furchtbare Dinge sind im Lauf der Jahre passiert. Durch meine Arbeit habe ich unzählige spannende Menschen kennengelernt, die alle ganz wichtige Dinge in der Welt tun und sie auf ihre Art und Weise besser machen wollen. Viele davon sind Freundinnen und Freunde geworden und ich staune immer wieder und bin begeistert, wenn ich sie sehe, was sie leisten und erreichen.

Es gab Todesfälle, deren Nachricht mich kurz vor einem größeren öffentlichen Auftritt erreichte (der auch noch an meinem Geburtstag statt fand)  und dem nur wenige Tage später noch ein zweiter Tod folgte. Beides traf mich so unerwartet, dass ich monatelang das Gefühl hatte, ich würde mich im freien Fall befinden.

Auch das Ende einer wichtigen Freundschaft, die aus beruflichen Gemeinsamkeiten entstand und mit einem beruflichen sowie auch persönlichen Verrat abrupt auseinander ging, ließ mich in ein tiefes Loch fallen. Diese Wunden habe ich sehr lange mit mir herum getragen. Wenn ich schon einer Freundin nicht meine Ideen und Wünsche antrauen konnte, wem denn dann?! Ich wurde übervorsichtig und zog mich auch von allen anderen Freundschaften zurück. Es hat Jahre gedauert, bis ich wieder mit jemandem persönliche Dinge und berufliche Vorhaben teilen wollte.

Mit dem Blog und meinen Themen ging auch immer noch eine oder sogar zwei weitere Aufgaben einher, die sehr viel Raum einnahmen: das Erklären, was ein Blog ist und wie man damit Geld verdienen kann (und das zu einer Zeit, in der noch niemand Geld mit Blogs verdiente) und das Erklären von veganer und fairer Mode und veganer Naturkosmetik in Zeiten, in denen man noch nicht mal über veganes Essen sprach.

Ich erinnere mich noch gut an einen Vortrag vor dem Presseclub des Bayerischen Presseverbands in München, in dem Maren Martschenko und ich über die Chancen von Blogs sprachen. Unsere (positiven und sehr sachlichen) Aussagen zum Thema kamen bei einigen Journalisten nicht gut an, es haben in der Tat einige Menschen wutschnaubend den Saal verlassen. Wie gerne würde ich ihnen heute noch mal begegnen. Eine Journalistin schrieb mir danach eine Email und entschuldigte sich für das Verhalten der Kollegen – an sie denke ich heute noch manchmal (und würde ihr gerne noch mal begegnen).

Und auch die nachhaltige und die vegane Welt hat sich verändert. Manche meiner Freund*innen und Kolleg*innen behaupten sogar, ich hätte mit meiner Arbeit viel dazu beigetragen, dass eine vegane Lebensweise auch als eine nachhaltige Lebensweise angesehen wird.

Bei meinen ersten Besuchen auf Veranstaltungen wie der Fashion Week in Berlin oder der großen Naturkosmetikmesse Vivaness hatte ich jedenfalls immer das Gefühl, ich würde mich zwischen zwei sehr unterschiedlichen Welten bewegen. Einmal in der Öko-Welt, in der vegan gerne belächelt wurde und in der veganen Welt, in der fair und öko keine bis gar keine große Rolle spielten. Dabei kam ich mir oft wie eine Priesterin vor, die die Heilige Dreifaltigkeit von Ökofairvegan predigte. Dennoch: Ich liebte, was ich tat und ich tat davon viel.

In München eröffnete das Dear Goods, Deutschlands erster Laden für vegane und faire Mode. Inspiriert von den schönen Dingen, die die Gründerin Nicole Noli auf meinem Blog sah und sich dachte, dass man diese schönen Dingen doch auch irgendwo kaufen können sollte. Einen solchen Ort schuf sie – welch Kompliment, dass ich diesen Wunsch in ihr auslöste und damit den Samen für zahlreiche andere Shops pflanzte, die in den Fußstapfen von Dear Goods folgten.

2011 – Von München nach Berlin.

So sehr ich München liebte, nach einer Weile wurde es mir zu eng . Ich fuhr ohnehin ständig für Veranstaltungen nach Berlin, irgendwann beschloss ich, meine Kisten zu packen und dort zu wohnen.

Mit diesem Umzug tappte ich allerdings in die Falle der tausend Projekte. Anders als in München war ich mit meinem Blog zwar plötzlich keine so arge Exotin mehr, sondern ein Teil einer kleinen Gruppe, in der alle Blogs hatten und über Veganismus schrieben. Wir planten neue und gemeinsame Vorhaben, wurden ständig auf Veranstaltungen eingeladen, waren gefragte Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner und unsere Meinung hatte Gewicht und wurde gerne gehört. Aber ich (und alle anderen auch) standen vor dem Rätsel, wie wir mit unserer Arbeit die Miete zahlen sollen. Ich beriet Unternehmen und auch einige Shops rund um Marken- und Produktauswahl und wie in München auch, arbeitete ich mit Unternehmen rund um Kommunikationsstrategien und -konzepte. In den seltensten Fällen war (im nachhaltigen Bereich) dafür allerdings ein Honorar vorhanden.

Bis heute frage ich mich, warum ich das immer so hingenommen habe und mich in meinem Eifer und Enthusiasmus nicht bremsen ließ. Warum ich so viele (finanzielle) Opfer auf mich nahm, zu denen mich niemand gezwungen hatte. Da waren eben auch die vielen positiven Rückmeldungen, vor allem von Leserinnen, die sich erkannt und verstanden gefühlt haben und mit mir eine digitale Freundin gefunden hatten, die ebenso roten Lippenstift tragen wollte und auf der Suche nach einer schönen Handtasche ohne Leder war (und sie auch fand). Und ich konnte mir schlicht und ergreifend keine andere Arbeit vorstellen, auch wenn die Zeit dafür offenbar noch nicht reif war.

Darüber hinaus bekam ich von Anfang an auch viel Bestärkung: das Fernsehen rief an und das nicht nur einmal. Ich führte unzählige Interviews, war sehr oft in Zeitschriften zu sehen und auch im Radio war ich zu hören. Sogar internationale Publikationen kamen auf mich zu, das japanische Fernsehen wollte in meinem Kühlschrank filmen und mit dem BBC Radio war ich in veganen Berliner Restaurants zum Essen. Von Unternehmen bekam ich zu hören, dass man an mir nicht vorbei kommen würde, wenn man sich im deutschsprachigen Raum mit Veganismus beschäftigte. Es tat gut zu hören und zu merken, dass meine Arbeit auffiel und sich andere von meinen Gedanken rund um Veganismus und Nachhaltigkeit inspirieren ließen.

Dabei brannte ich langsam, aber sicher aus. Wurde müde vom ständigen Erklären und Verteidigen von Blogs, Social Media und meinem Tun. Vom Kämpfen um die finanzielle Anerkennung meiner Arbeit als Bloggerin. Und vom Kampf, eine vegane und nachhaltige Lebensweise dauerhaft salonfähig zu machen. Auch wenn ich an vielen Stellen und zahlreichen Menschen für meine Arbeit gefeiert wurde, mir ging die Energie aus und irgendwann hatte ich kein Geld mehr die Miete. Mein Weg führte mich eines Tages direkt von einem Interviewtermin zum Amt. Ich hatte das Gefühl, komplett versagt zu haben.

Erst Jahre später habe ich verstanden, dass damals wirklich noch niemand nur von einem Blog (und ohne anderen Job) leben und bis auf einige wenige Ausnahmen damals kein einziges Blogs monetarisiert werden konnte (und schon gar nicht im nachhaltigen Bereich).

Heute wünschte ich, ich hätte damals schon darüber sprechen können. Zu groß war allerdings meine Scham, dass ich „es nicht geschafft hatte“. Heute weiß ich: ich wollte zu diesem Zeitpunkt etwas Unmögliches möglich machen.

Kürzlich las ich einen Artikel einer Kollegin zu ihrem zehnjährigen Blog-Geburtstag. Ihre Buchpräsentation besuchte ich im Berliner Soho House kurz nachdem ich in die Stadt gezogen war. Dieses Event war eine Sensation: sie war eine der ersten, wenn nicht die erste Bloggerin, die ein Buch schrieb. Dazu auch noch ein glänzendes Hardcover für den Coffee Table. In meinen Augen hatte sie es geschafft, war erfolgreich, anerkannt und sicherlich auch gut verdienend. In ihrem Rückblick schrieb sie, dass auch sie in dieser Zeit große Herausforderungen mit dem Geldverdienen hatte. Es war ein Trost, das zu lesen, aber es hat mich auch wütend auf mich selbst gemacht. Ich habe immer versucht, eine Fassade aufrecht zu erhalten – Blogs waren ja ohnehin schon so kurios und wir Menschen dahinter in den Augen von anderen ohnehin etwas verrückt. Wenn ich dann noch laut gesagt hätte, dass ich damit kaum bis kein Geld verdiene, hätte ich ihr Vorurteil ja noch weiter bestätigt, dass man Blogs nicht ernst nehmen muss. So dachte ich damals zumindest.

Auch anderen Bloggerinnen und Bloggern gegenüber fielen mir solche offenen Gespräche schwer. Ich erinnere mich noch gut an eine Kollegin, die oft zu mir sagte, ich sei ihr Vorbild und hätte mir genau den Job geschaffen, den sie auch gerne hätte. Unter keinen Umständen konnte ich ihr also gestehen, dass ich mir kaum den Lippenstift leisten konnte, über den ich gerade geschrieben hatte (PR Samples für Blogger*innen waren damals noch so weit verbreitet).

Ich tat also das Vernünftige: ich suchte mir wieder einen Job. Oder vielmehr sah ich auf Facebook eine Stellenanzeige einer großen Tierrechtsorganisation, die jemanden für Social Media suchte. In Teilzeit, also perfekt, um auch weiterhin am Blog arbeiten zu können. Ich bekam die Stelle, zog sogar für sechs Monate von Berlin nach Stuttgart, wo ich auch während meines Studiums kurzzeitig gewohnt hatte. Ich schmiss mich in die Arbeit, hatte tolle Kolleginnen und Kollegen, den besten Teamleiter, schwärmte für einen Kollegen und versuchte, meine Erschöpfung von der Arbeit am Blog mit neuer Arbeit zu kompensieren.

Am Anfang gelang mir das tatsächlich ganz gut und ich gab alles. Lange konnte ich das natürlich nicht aufrecht halten. Über kurz oder lang fühlte ich mich zerrissen zwischen meiner Arbeit, die ich auch oft nicht im Büro lassen konnte (zum einen macht das Internet leider nicht auch um 17.30 Uhr Feierabend und zum anderen ist Tierrechtsarbeit und alles, was man dabei sieht und hört, wirklich nichts für schwache Nerven) und dem Blog, für den ich ohnehin kaum noch Energie aufbringen konnte.

Dann bekam ich einen Buchvertrag angeboten, der mir gefiel. Kurz danach schrieb ich ein zweites Buch und konnte dank eines gut verhandelten Vertrags die Arbeit als Social Media Managerin wieder aufgeben. Und wieder einmal musste ich feststellen: ich bin einfach keine gute Angestellte und brauche meine berufliche Freiheit wie die Luft zum Atmen. Auch wenn das mit Geld und dem Bloggen immer noch so eine Sache war.

Zwischenzeitlich hatte sich auch die Welt rund um Blogs verändert. Geld damit zu verdienen, gelang großen Mode- und Beautyblogs schon ganz gut. Auch in der nachhaltigen Welt kam langsam an, wie man mit uns Content Creators kooperieren und welchen Wert und Wirkung unsere Arbeit haben kann.

Die Naturkosmetik war die erste Branche, mit der ich über langfristige und bezahlte Zusammenarbeit sprach. War ich früher erst die Einzige und dann eine von wenigen, so wuchs die Zahl von Blogs rund um Nachhaltigkeit auf einmal stetig und heftig. Kannten wir uns früher alle, so verlor ich nun komplett den Überblick. War ich vor einigen Jahren noch wahnsinnig innovativ, schwamm ich jetzt in einem immer größer werdenden Pool. Der natürlich sein Gutes hat, denn mit nachhaltigen Themen können sich gar nicht genug Menschen beschäftigen. Auch die von mir viel ersehnte Professionalisierung des Berufs Content Creator gind damit endlich einher.

Mir war allerdings mein Herzensthema, das Entdecken und das Erzählen von Geschichten mit der Zeit verloren gegangen. Ich hatte oft das Gefühl, mich in der Masse zu verlieren. Fand keine Verbindung mehr zu meinem „Warum“ und erlebte hautnah mit, wie Bloggerinnen und Bloggern immer mehr selbst zum Produkt wurden, während sie zahlreiche Produkte zur Schau stellten. Meine Lust am Schreiben von langen Texten erschien auf einmal altmodisch, dafür sprach die ganze Welt von Influencerinnen und Influencern und ihrem Aufstieg. Hatten meine Kolleg*innen und ich doch gerade erst angefangen, überhaupt bezahlte Advertorials umzusetzen, stand nun die Frage nach der Zukunft von Blogs im Raum. Wie immer in solchen Momenten des Frusts, übermannte mich die Erschöpfung. Ich war mürbe geworden und auch meine Wahlheimat Berlin nervte mich nur noch. Meine Augen und Seele brauchten Schönheit und Natur statt Neuköllner Asphalt. Ich packte mal wieder meine Kisten und kehrte sprichwörtlich zurück zu meinen Wurzeln und zog nach Konstanz an den Bodensee.

Franziska Schmid Veggie Love

2017 – Zurück zu den Wurzeln.

Mit dem Schreiben und Bloggen hatte ich angefangen, weil ich den Drang und Wunsch hatte, meine Begeisterung für einen bestimmen Lebensstil und eine Haltung zu teilen. Und weil es keine (Online) Ressource gab, die sich um schönen nachhaltigen und veganen Lifestyle drehte und ich erschuf, was mir selbst fehlte.

Meinem Umzug oder vielmehr Rückzug nach Konstanz, meiner Heimat, folgte Einkehr. Zuletzt hatte ich während des Studiums hier gewohnt. Eine Zeit, in der ich mich nach der Zukunft sehnte und es kaum erwarten konnte, mich voll und ganz in die Arbeitswelt zu werfen. Ich hatte so viele Träume und Wünsche für mich – ihnen allen begegnete ich wieder als ich meine früheren Spazierwege am See und im Wald entlang lief.

Im letzten Jahr wurde ich wütend. Vor allem auf mich selbst. Aber auch auf das Bloggen, die Nachhaltigkeit und meine Arbeit. Ich fing an, die Dinge, die mich besonders nervten, nicht mehr zu machen. Mehr nein zu sagen. Das war ein guter Anfang. Und ich habe irgendwann mit Schrecken festgestellt, mit welcher Haltung ich durch die Welt laufe: hatte ich mich erst lange als Versagerin gesehen, so hatte ich nun auf einmal das Gefühl, die Nachhaltigkeit würde mir was schulden (tut sie natürlich nicht). Weil ich sie doch so viele Jahre lang mit Herz, Seele und meiner Arbeit unterstützt hatte. Ein Satz, den ich während des Studiums des öfteren meiner besten Freundin gegenüber zum Besten gab (ich verteilte früher gerne ungefragt Lebensweisheiten), kam mir wieder in den Sinn: You are a driver, not a passenger in life. Boom. Der stammt übrigens aus einem Song der Brand New Heavies.

Dennoch harderte ich weiter mit dem Bloggen und allem, was damit zusammen hing. Ich war den Weg ein Stück voran gegangen und hatte geholfen, ihn für andere zu ebnen – war meine Aufgabe damit erfüllt? Im letzten Sommer gab mir eine sehr schmerzhafte Verletzung am Knie quasi die Antwort. Während ich wochenlang nicht schreiben konnte, selbst wenn ich gewollt hätte, wurde mir klar: ich will aber.

Und ich habe gemerkt: mein „Warum“ hat sich nicht verändert, auch wenn ich es für eine Weile vergessen hatte. Noch immer will ich gute Geschichten erzählen und meine Entdeckungen teilen. Womit ich allerdings immer noch eine Herausforderung hatte (und zum Teil immer noch habe): wie das konkret aussehen soll. Gar nicht im Bezug auf die Inhalte, vielmehr wie ich heute mit meinem Blog arbeiten will.

Nicht nur hatte sich meine Sicht auf den Beruf des Content Creators verändert, auch Nachhaltigkeit sehe ich mit anderen Augen. Was ist eigentlich noch zeitgemäß? An Konsum, an Kaufverhalten und überhaupt an Haltung? Mich treibt an, dass wir uns dringend umeinander und die Welt kümmern müssen. Auf Kosten von anderen (Umwelt, Menschen, Tieren) zu leben und zu wirtschaften, ist definitiv nicht mehr zeitgemäß (und hätte es nie sein dürfen) und es braucht Vorbilder, die eine andere Denkweise, Lebensweise und Handlungsweise (vorleben und) zeigen. Mich inspirieren die Menschen hinter all den schönen und guten Produkten und Orten, die mit ihrem Tun ebenfalls einen Unterschied machen möchten.

Franziska Schmid Veggie Love Credit Ines Njers

2019 – A different kind of luxury.

Als ich vor einigen Jahren Veggie Love in ein neues Kleid hüllen ließ, fing ich an, für meine Inhalte #adifferentkindofluxury zu verwenden. Diese Haltung wird in Zukunft mein Fokus sein, denn ich denke, es ist Zeit für ein anderes und neues Verständnis und (Aus)leben von Luxus.

Schon immer kamen Menschen am Feuer oder Marktplatz zusammen – dort wurden Geschichten erzählt, Wissen weitergegeben und geteilt (und damit auch in die Zukunft getragen). Mit meiner Arbeit möchte ich ein Teil dieser Tradition sein.

Weil ich irgendwie selbst noch mitten im Prozess stecke, möchte und kann ich gar nicht so große Vorschauen auf die Zukunft geben. Ich laufe einfach mal los – auch eine Mutprobe für mich, so tief in meine Gedankenwelt hinein lesen zu lassen, während ich selbst noch keine Antworten auf so viele Fragen habe. Naturkosmetik und faire Mode werden nicht vom Blog verschwinden, die gehören fest zu mir. Vielmehr soll (wieder) mehr Meinung zu lesen und zu hören sein. Mehr Haltung auch zu Themen, die ich bisher noch nie hier behandelt mehr. Mehr Franziska und mehr von den Dingen und Gedanken, die mich beschäftigen (ein Online-Tagebuch wird das Blog dennoch nicht) – so wie dieser Text.

Eins steht allerdings fest und hier wiederhole ich mich: ich liebe „explore days“. Unterwegs sein und schöne Dinge und Orte entdecken: Läden, Cafés, Produkte, Marken, Unternehmen. Und die Menschen dahinter kennenlernen. Einblicke hinter den Kulissen zu bekommen, ob in einem großen Unternehmen oder einem kleinen Laden. Meine Finger in Cremetöpfe stecken, essen probieren, über meine Lieblingsthemen Essen, Kosmetik und Mode fachsimplen. Neues erfahren und lernen. Die Geschichten hinter den Orten und Dingen hören. Die sind meist sehr inspirierend, sie berühren und begeistern mich. Das Gehörte und Gesehene zu teilen, bereitet mir große Freude. Davon wird es mehr geben!

Ich freue mich auf einen neuen Abschnitt mit dem Blog. Der ganz ohne Design-Relaunch oder Gewinnspiel beginnt, sondern mit diesen offenen und ehrlichen Worten. Letztes Jahr habe ich oft an die französischen Worte „prendre sa place“ denken müssen: (den eigenen) Platz einnehmen. Meine Französischlehrerin sinnierte eine Weile über die Bedeutung und die Wichtigkeit für uns alle, im Leben den eigenen Platz zu finden und diesen auch einzunehmen. Das mache ich nun (wieder): Je prends ma place!

 

Fotos: Bilder im Holy Hoodie von Ines Njers / Titelbild mit Notizblock von Frederik Ferschke / Bild mit rosa Notizbuch von Zoe Spawton für das Buch „Vegan Queens“ von Sophia Hoffmann

Kategorie Wellbeing
Franziska
Autor

Ich bin Franziska und liebe schöne Dinge. Dazu gehören für mich unbedingt Mode sowie Kosmetik und auch gutes Essen in coolen Restaurants. Aber schön soll es nicht nur für mich sein, sondern auch für andere. Nämlich die Umwelt, Tiere und Menschen. Deshalb: vegan, eco und fair.

5 Kommentare

  1. Liebe Franziska,
    danke für deine ehrlichen, berührenden Worte. Ich bewundere dich für dein Durchhaltevermögen, deine Konsequenz und deine Stärke. Es gehört Haltung dazu, auch seine schwachen Momente zu teilen. Ich denke auch, dass es genau diese Haltung – zu bleiben und sich zu stellen, auch wenn es mal nicht so schön ist – braucht in einer Welt, wo wir Menschen uns besser um uns und unsere Umwelt kümmern müssen. Ich freue mich auf alles, was kommt. Deine Geschichten, deine Entdeckungen, die neue alte Franziska :-)
    Liebe Grüße, Maren

  2. Liebe Franziska,

    Ich freue mich sehr, dass du zurück bist. Manchmal braucht man einfach etwas Abstand, um zu erkennen, was einem fehlt. Mir ging es ähnlich und uch muss sagen, dein Post hat much total animiert, auch bald wieder voll durchzustarten und meinen Blog neu zum Leben zu erwecken.

    Danke für deine Inspiration und viel Erfolg für die Zukunft!

    Liebe Grüße
    Anna von annanikabu.com

  3. Liebe Franziska,
    ich finde mich sehr in dem wieder, was du da beschreibst. Ich gehörte auch zu denen am Anfang, wo alles noch übersichtlicher und persönlicher war in der Blogger-Welt. Mal sehen, wo es hingeht damit.
    Dir alles Liebe für deinen Prozess und danke für deinen Mut,
    Yvonne

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