Artgerecht ist nur die Freiheit

PETA Deutschland Mahnwache Brandenburger Tor Berlin

Als ich angefangen habe, öffentlich über Veganismus zu sprechen und zu schreiben, ging es mit voller Absicht immer nur um die „Sonnenseiten“ des veganen Lebens: Gastronomie, Mode und Kosmetik und alles, was sonst noch schön ist und Spaß macht. Ich will zeigen, dass veganes Leben einfach ist und dass der Verzicht, den viele fürchten, nicht eintritt. Weder auf dem Teller, noch im Kleiderschrank oder Badezimmer. Denn es gibt genug umweltfreundliche und ethisch korrekte Produkte und neben Obst & Gemüse andere leckere vegane Lebensmittel. Schlimme Bilder von leidenden Tieren gab es bei mir noch nie zu sehen und auch nie Links zu schrecklichen Videos. Das heisst aber nicht, dass ich diese Bilder oder Videos nicht kenne oder anschauen würde. Und selbstverständlich sind diese Bilder und Videos, die die Zustände von (Intensiv)Tierhaltung zeigen, auch Gründe für meine vegane Lebensweise. Kein Lebewesen soll für mich leiden – diesen Satz habe ich schon unzählige Male gesagt und geschrieben. Darüber hinaus will ich auch nicht die Umwelt schädigen und nicht zuletzt gibt es zahlreiche gesundheitliche Gründe, die für Veganismus sprechen.

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich bei einem Vortrag gesagt, ich sei eine Positiv-Bloggerin, die ohne erhobenen Zeigefinger schreibt und lieber mit gutem Beispiel voran geht als andere zu belehren. So wird es hier auch immer bleiben. Seit meinem ersten Tag als Veganerin vor über vier Jahren wusste ich auch immer, dass der Moment kommen wird, an dem ich auch mal krasser sein und den ethischen Gründen und Tierrechten mehr Ausdruck verleihen will. Und dieser Moment war am Dienstag und zum ersten Mal seit langem hatte ich wieder das Gefühl, dass es wirklich rein um die vegane Sache geht (und nicht um Befindlichkeiten, Egos oder einzelne Personen). Kühe werden nicht durch ein Wunder ständig schwanger und müssen so auch nicht von Natur aus ständig Milch geben. Die Milch ist eigentlich für das Kälbchen gedacht, das nach der Geburt von der Mutter getrennt wird, damit sie wieder als Milchkuh dienen kann. Kalbfleisch ist nichts anderes als Fleisch von Tierbabies. Männliche Küken werden geschreddert oder lebend auf den Müll geworfen, da sie keinen Wert für die Eierindustrie haben. Schön? Nein. Harte Realität? Leider ja. Deshalb bin ich dem Aufruf von PETA Deutschland gefolgt, vor dem Brandenburger Tor eine Mahnwache für die Opfer der Tierhaltung abzuhalten. Denn Tiere sind keine Lebensmittel und wie auch wir Menschen möchten Tiere am liebsten in Freiheit leben. Auch zwei Tage danach bin ich immer noch tief berührt – Trauer und Beklemmung haben wohl die meisten von uns verspürt und viele Tränen sind geflossen.

Hier der Text, der während der Mahnwache zu hören war:

„Dies sind die Körper derer, die Opfer unserer Tierausbeutungsindustrie wurden, derer die nie eine Chance hatten und deren Lebenswillen in unserer Gesellschaft kein Gehör findet. Diese Tiere wurden geboren, nur um getötet und dann verspeist und vergessen zu werden. Gestorben für ein Stück Fleisch, für ein Frühstücksei, für ein Fisch-Filet, für ein Glas Milch. PETA Deutschland möchte das milliardenfache Leid heute nach Berlin hineintragen und hier vor dem Brandenburger Tor eine Mahnwache für die Opfer unseres unreflektierten Appetits halten. Indem wir diese toten Körper aus der Intensivtierhaltung hier heute aufbahren, geben wir den Milliarden Opfern ein Gesicht. So unterschiedlich wir auch sind, uns alle, Mensch wie Tier, eint der Wille zu leben und die Fähigkeit Angst, Leid und Schmerz zu empfinden. Drei Milliarden Tierleben werden jedes Jahr in Deutschland für unsere Ernährung ausgelöscht. Das muss nicht sein. Helfen Sie, dieses Grauen zu beenden und ernähren Sie sich rein pflanzlich und damit vegan. PETA Deutschland möchte Sie dazu ermutigen, eine mitfühlende Entscheidung zu treffen und sich vegan zu ernähren. Fleisch, Milch, Eier und andere tierische Produkte basieren auf dem millionenfachen Leid und Tod sensibler Lebewesen. Mit jeder Mahlzeit treffen Sie eine Entscheidung für oder gegen das Leben. Vegan zu leben, bedeutet gelebter Respekt vor dem Lebenswillen der Tiere, ist nachweislich äußerst gesund und schont außerdem die kostbaren Ressourcen unseres Planeten. Ihre Entscheidung Fleisch zu essen hat die fortlaufenden Abholzung des Regenwaldes zur Folge. Der Verzehr von Fleisch, Eiern und Milchprodukten steht nachweißlich im engen Zusammenhang mit den sogenannten Zivilisationskrankheiten Herzinfarkt, Krebs und Diabetes. Tiere sind Lebewesen, keine Lebensmittel. Diese Hühner haben nie eine grüne Wiese gesehen, diese Fische erstickten elendig in riesigen Netzen, dieses Kalb wurde seiner Mutter entrissen, diese Puten brachen unter ihrem eigenen Mastgewicht zusammen. Kühe werden zwangsgeschwängert, damit sie Milch produzieren. Sobald sie Ihre Kälber bekommen, werden Mutter und Kind einander entrissen, damit die Milch für den menschlichen Verzehr zweckentfremdet werden kann. Männliche Küken gelten als unliebsames Nebenprodukt der Eierindustrie und werden sofort getötet, wenn sie meist gerade mal einen Tag alt sind. Auch „Biofleisch“ ist das Fleisch getöteter Tiere, auch diese Tiere werden nicht „totgestreichelt“. Bitte, informieren Sie sich auf www.peta.de über das Grauen der Tierausbeutung und treffen Sie eine mitfühlende Entscheidung. Die Verantwortung liegt in unser aller Händen. Bedenken Sie: „Artgerecht“ ist nur die Freiheit. Setzen Sie sich für die Schwächsten unserer Gesellschaft ein, für die Tiere. Wir von PETA Deutschland danken Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.“

Ab dem nächsten Blogbeitrag wieder Sonnenschein und schöne Dinge – für heute einen Moment für Tierrechte und die Hintergründe, die für eine vegane Lebensweise sprechen. Vielen Dank an PETA für die Organisation – ich bin sehr froh, dass ich bei dieser Aktion dabei war!

Kategorie Fashion
Autor

Ich bin Franziska und liebe schöne Dinge. Dazu gehören für mich unbedingt Mode sowie Kosmetik und auch gutes Essen in coolen Restaurants. Aber schön soll es nicht nur für mich sein, sondern auch für andere. Nämlich die Umwelt, Tiere und Menschen. Deshalb: vegan, eco und fair.

22 Kommentare

  1. Auch wenn ich nicht konsequent vegan lebe (aber konsequent vegetarisch, bio und vollwertig), so lese ich deine Blogposts immer sehr gern – auch weil sie so positiv stimmen. Aber mir gefällt auch das – ab und zu mal wütend/traurig sein und darüber ebenfalls zu schreiben. Nicht wir müssen uns für unseren Lebensstil rechtfertigen – sondern „die anderen“ sollen jetzt mal Farbe bekennen.
    Ich hatte einen solchen Tag auch vor Kurzem – angesichts der Meldung, dass der Fleischkonsum wie jedes Jahr mal wieder gestiegen war. Da habe ich mich ziemlich aufgeregt und das auch geschrieben: Fleischkonsum ist keine Privatsache! ( http://antje-radcke.blogspot.de/2012/02/fleischkonsum-ist-schon-langst-keine.html )
    Ich freue mich auf deine nächsten Blogposts – wütend oder positiv…

    • Franziska

      @Antje: Vielen Dank für Deinen Kommentar & das Lesen meines Blogs! <3

      @Harrey: Die aufgebahrten Tiere stammen aus den Kadavertonnen der Intensivtierhaltung in Deutschland. Zum Kritikpunkt PETA tötet Tiere: http://www.peta.de/web/home.cfm?p=3826

  2. Caroline

    Ich finde deinen Blogartikel toll. Ich lese immer gerne deinen Blog und lebe auch selbst vegan (wobei ich meine Anziehsachen leider noch nicht perfektioniert habe…, schöne Ledertaschen die ich gekauft habe bevor ich vegan wurde, will ich irgendwie nicht wegschmeißen, das hilft den Tieren ja nun auch nicht weiter).

    Wollte nur sagen, dass ich gut finde, dass du auch einmal einen „negativen“ Artikel geschrieben hast. Denn das ist auch wichtig. Meine Mutter hat vor zwei Tagen eine Reportage über Schweinezucht gesehen und rief mich ganz verstört an: „Manche Schweine sind ja noch gar nicht tot, wenn sie zerteilt werden!“ Und ich dachte nur so: „Hat sie mir eigentlich die letzten zweieinhalb Jahre nicht zugehört?“

    Offensichtlich muss man also immer wieder damit konfrontiert werden und auch ich selbst schaue mir immer mal wieder so was an, weil man leicht vergisst wie es wirklich jeden Tag in den Schlachthöfen aussieht!

    Danke dir dafür!

    • Franziska

      @Caroline: Vielen lieben Dank für Deinen Kommentar und die Bestätigung, dass auch ein „negativer“ Artikel sinnvoll ist. Was Du mit Deiner Mutter und den Schweinen schreibst, so geht es mir auch gerade mit dieser Aktion. Meine Schwester war von dem Video so berührt, dass sie nun über Vegetarismus, Ledertaschen und Milchprodukte nachdenkt. Und eine Freundin hat sich nun das PETA Veganprobeabo bestellt und führt einen veganen Tag pro Woche ein, damit ihre Kinder sehen, dass man auch vegan satt wird und vielleicht wird dann auch mehr daraus. Das hat mich auch erstaunt, denn ich bin ja nun auch nicht erst seit gestern und still & heimlich vegan – da hab ich mich auch gefragt, ob ich bisher nicht deutlich genug kommuniziert habe oder ob mein Veganismus hinter Nagellack, Handtaschen und High Heels unterging. Aber offensichtlich braucht es bisweilen krassere Massnahmen oder auch die Wiederholung der Message, um Wirkung zu zeigen. Dazu kommt, dass natürlich jeder sein eigenes Tempo und eigenen Zeitpunkt hat, um sich mit den Tatsachen der Tierhaltung usw. zu beschäftigen. Freut mich also umso mehr, dass ich bei der Aktion dabei war und damit auch in meinem unmittelbaren Umfeld etwas bewirkt habe.

      @Claudi: <3

      @Greensoul: Freut mich, dass Du Dich in meinem Artikel wiederfinden kannst – freue mich natürlich auch sehr, wenn Du mich in Deinem Artikel verlinkst. Vielen Dank!

      Love & Veggies, Franziska

  3. Vielen Dank für diesen tollen, ehrlichen Blogartikel – ich kann mich darin sehr gut wiederfinden. Das Video habe ich mir jetzt auch mehrere Mal angeschaut und bei jedem Mal noch mehr Gänsehaut bekommen. Ich werde es in den nächsten Tagen auch auf meinen Blog posten und – wenn ich darf – auch auf Deinen Artikel dazu veweisen.
    Greensoul

  4. Liebe Franziska! Ein toller, sehr berührender Blogpost! Danke für Deine Teilnahme bei der Aktion und Danke für diesen Bericht!! <3 Sunny

    • Franziska

      @Sunny: Danke Dir für den Kommentar und die Erwähnung in Deinem Blogbeitrag! <3

  5. Pingback: Peta Aktion – Tiere sind keine Lebensmittel! « veganchicks

  6. Liebe Franziska,

    auch an Dich persönlich nochmal meine Hochachtung und meinen tiefsten Respekt für die Stärke, an solch einer emotionalen Aktion teilzunehmen. Als ich das fertige Video gesehen habe, liefen bei mir die Tränen. Ich kann dir spontan nicht sagen, wann ich das letzte Mal im Bezug auf Tierrechte bzw. überhaupt so geschluchtzt habe. Einerseits vor Trauer um die Tiere, andererseits auch vor Wut und Enttäuschung, weil so viele Menschen immer noch weg sehen.

    Welche Reaktionen hast du bei den Passanten bemerkt? Gab es auch offene Anfeindungen wie „Ah lecker Streak!“..was angesichts dieser Mahnwache eine echte Unverschämtheit wäre. Mich wundert übrigens, dass die Presse bis jetzt noch verhalten reagiert, während sie Purzelbäume schlägt, wenn sich ein Promi mal wieder für Peta auszieht.

    Liebe Grüße.

  7. Das ist für mich wirklich wirkungsmächtiger und ehrlicher Aktivismus. Ich brauche ja vermutlich nicht mehr erwähnen, dass ich peta durchaus kritisch gegenüberstehe, aber diese Aktion finde ich durch und durch gelungen.
    Wenn man Menschen so direkt mit einem toten Lebewesen konfrontiert und ihnen dann die nötigen Informationen dazu liefert („Wieso ist denn für ein Ei ein Küken gestorben?! Die Eier sind doch unbefruchtet?!“), dann passiert vermutlich am ehesten etwas in den Köpfen und Herzen der Menschen.
    Ich wünsche mir mehr von dieser Art des Aktivismus, wo wirken Veganer_innen aufrichtig und ernsthaft und das Anliegen kommt unmissverständlich rüber. Und genau wie Saskia, meine Augen bleiben bei dem Video (und auch bei der version aus Spanien) nicht trocken.

  8. Pingback: Der vegane Wochenrückblick (KW 13/2012) | Deutschland is(s)t vegan | Deutschland is(s)t vegan

  9. Liebe Franziska,

    mir laufen noch immer die Tränen über die Wangen… und habe mich nicht gescheut deinen Post heute, an Ostersamstag, auf meiner FB-Seite zu verlinken! Ich hoffe die Menschen, die es noch immer nicht begriffen haben, denken in den nächsten Tagen mal über ihr schönes, buntes Ei nach!

    Frohe faire Ostern wünscht dir,
    Bee

  10. Die erste Aktion, von PeTA, die mir gefällt. Sogar der Text ist (mit ein wenig Bauchweh am manchen Stellen) tragbar. Bei der guten Vorlage konnte man aber auch wohl wenig falsch machen.

    Wie man aus dem spanischsprachigem Ausland sehen kann, ist da aber anscheinend noch viel Luft nach oben hin, für die Partizipation an solchen Aktionen.

  11. Eine echt krasse Aktion, die sicher viel bewegen kann. Die kann man auch den Fleisch essenden Menschen zumuten. Aber ich vermute, dass es nur einen Bruchteil zum wirklich konsequenten Verzicht anregt. Da ist der menschliche innere Schweinehund wohl zu stur.

    LG, Sanni

  12. Dein Blogeintrag hat mich sehr berührt! Ich wünschte mir so sehr, dass er noch viel mehr Menschen bewegen und zum Nachdenken bringen würde..

    LG, Katja

    • Franziska

      Liebe Katja, vielen Dank für Deinen Kommentar. Auch Wochen nach der Aktion denke ich noch oft daran und hab jedes Mal Gänsehaut. Sehr schön zu hören, dass mein Artikel auch weiterhin gelesen wird und andere berührt. Für mich immer noch besonders faszinierend: obwohl ich schon jahrelang vegan gelebt habe, hat die Aktion Menschen in meinem unmittelbaren Umfeld zum Nachdenken angeregt. Meine Schwester hat seitdem zum Beispiel kein Fleisch mehr gegessen und kocht und backt vegane Kochbücher hoch und runter. Finde ich natürlich gut. Love & Veggies, Franziska

  13. Meike Höppner

    Ich kenne dieses traurige Video auch,es hat mich so traurig gemacht das man einfach
    weinen muss.Da kann kein Auge trocken bleiben.Wie können Menschen so grausam sein?

    Was wissen die Fleischfresser und die Schlachter von Tierliebe?

  14. Hallo Franziska,

    ich klicke mich gerade durch Deinen Blog, den ich wirklich schön und toll gemacht finde! Und beim Anblick dieses Videos liefen mir die Tränen, das passiert äußerst selten, aber die Kombination der Bilder, des Textes und der Musik haben mich wirklich sehr berührt.
    Danke!
    Das unterstützt meine aktuellen Bestrebungen, vegan zu leben sehr!

  15. Ich möchte mich auch gerne hier einmal äußern und die Meinung eines Fleischessers vertreten. ‚Hoffe ich werde jetzt nicht mit Tomaten beschmissen‘
    Ich bin wirklich immer wieder gestaunt, wie Fleischgenuss verteufelt wird. Ich schreibe bewusst Genuss, da ich auch gegen Massentierhaltung und Tierquälerei bin. Mein Fleisch kommt zu 80% aus eigener Erzeugung und ich kenne die Tiere, die ich esse von klein auf und kann aus Überzeugung sagen ‚ sie hatten ein schönes Leben ‚ Mein Rind kannte 9 Monate lange seine Mutter und mein Huhn kennt frisches gras und die martinsgans hatte einen Teich. Aber ich habe so oft das Gefühl das Veganer und Vegetarier, die Tragweite der kompletten Abschaffung von Tierhaltung zum Nahrungszweck vergessen. Ganze Arten würden aussterben, es kommt zu Überpopulationen, da Rehe, Wildschweine und Co. keine natürlichen Fressfeinde haben, von Vernichtung der Regenwälder für Soja Anbau fang ich gar nicht erst an.

  16. Bin über die Bilderbuch zu dir gekommen. Deinen Blognamen finde ich super und es ist immer toll dass es noch welche gibt die sich engagieren und einsetzen :).

    Vegan schaffe ich nicht aber vegetarisch zumindest.

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