blickfang ecodesign

Ich mag Stuttgart. In meiner Kindheit habe ich dort meine Tante & meinen Onkel besucht und in deren Wohnung meine hellblauen Rollschuhe eingeweiht. Jahre später habe ich in Stuttgart mein erstes Praxissemester gemacht und sechs aufregende Monate erlebt. Das ist nun auch schon eine Weile her und seitdem war ich nicht mehr wirklich oft dort. Vergangenes Wochenende war es wieder soweit: Die internationale Designmesse blickfang fand zum 19. Mal statt. Der Grund meines Besuches war die diesjährige und nur in Stuttgart gezeigte Sonderschau blickfang ecodesign. Neun Modelabels zeigten dort grüne Mode. Meine ganz persönlichen Lieblinge der Messe:

  • ica watermelon: Die Berliner Designerin Julia Knüpfer gründete ihr Label 2009 und fällt mit Liebe zu Eleganz & zum Detail auf. Sie verbindet in ihren Kleidungsstücken traditionelle Handwerkstechniken wie Häkelkunst & Stickereien mit modernen Materialien & Schnittführung – eine schöne & ungewöhnliche Mischung. Alle Teile sind ökologisch & fair in Berlin und Umgebung hergestellt. Julia verwendet ungiftige Naturfärbeverfahren, Biobaumwolle & Leinen sowie Seide & Wolle für ihre Kollektionen. Wie bei so vielen Marken gilt es auch hier, die (veganen) Rosinen raus zu picken. Für T-Shirts mit Statement habe ich eine Schwäche – das „We are Green Agers“ gefällt mir sehr gut! 2009 hat Julia bereits den Preis „Designer For Tomorrow Award“ im Rahmen der Berlin Fashion Week gewonnen. Dieses Jahr war sie im Januar eine der drei Finalisten des „Humanity in Fashion Award“ by hessnatur und nun hat sie in Stuttgart den Dr. Hauschka ecodesign Preis auf der blickfang bekommen –herzlichen Glückwunsch!
  • Milch: Die Wiener Designerin Cloed Priscilla Baumgartner verwandelt in ihrer intersaisonalen Kollektion Hosen.Hemd.Kleidung klassische Männerbekleidung wie Hosen & Hemden in neue Kleidungsstücke. So werden Hosen zu Kleidern & Kappen und Hemden zu Blusen. Die Kleidungsstücke stammen alle aus der Volkshilfe Box in Wien und werden in den grünen Waschsalons Green & Clean in Wien gewaschen – ebenso lokal werden die neuen Kleidungsstücke im sozialökonomischen Projekt Merit und Schneiderbetrieb Dalla gefertigt. Mir gefallen die ökologischen & gesellschaftlichen Aspekte dieser nachhaltigen Kollektion ganz besonders.
  • CharLe: Auf der goldgreen im vergangenen November ist mir Mandy Geddert mit ihrem Kinderlabel CharLe zum ersten Mal aufgefallen. Die T-Shirts mit Aufdrucken, wie zum Beispiel „It’s easy being green“, sind toll und auf der blickfang habe ich zwei ganz entzückende Kleidchen entdeckt. Eins in Naturweiß mit rosa Gürtel und eins in Rosa – die rosa Farbe ist rein pflanzlich und stammt vom Granatapfel (und der Stoff selbst von Lebenskleidung: ökologische & naturgefärbte Textilien aus Indien). Besonders schön: das Label konzentriert sich auf zeitlose, gute kombinierbare und dadurch auch saisonunabhängige Kleidungsstücke. Produziert wird mit ökologischen Rohstoffen und natürlichen & recycelten Materialien in Deutschland. Für Jungs gibt es selbstverständlich ebenso schöne Kleidungsstücke.
  • Studio Ecocentric: Mein liebstes Beispiel dafür, dass Öko-Mode elegant, stilvoll und einfach toll aussehen kann. Vor ein paar Wochen habe ich mich in München mit Katrin Kummer, der Gründerin des Labels, länger unterhalten. Hier nur ein kurzer Blick auf mein Lieblingsoutfit und zu Studio Ecocentric bald mehr!
  • Unique Nature: Auch der Online Shop für nachhaltige Mode & Design war auf der blickfang zu finden. Matt & Nat, Beyond Skin (läuft dort leider aus), Misericordia, Stewart & Brown, The Baand, Mandala und viele andere grüne Marken, die gut sind & gut aussehen. Was mir bei Unique Nature sehr gefällt: die schöne Auswahl an Produkten von Bekleidung über Schuhe & Accessoires bis hin zu Duftkerzen und Einrichtungsgegenständen. Die Geschäftsführerin Anna Perino hat mir erzählt, dass es bald Sonnenbrillen geben wird – ich bin schon gespannt. Beim nächsten Besuch in Stuttgart besuche ich auch endlich den Showroom, der jeden Donnerstag geöffnet ist!
  • Organic Avenue: Zertifiziert biologisch & 100% naturrein sind die Duft-Produkte von Organic Avenue. Der Firmensitz befindet sich in einem Passivhaus unweit von Stuttgart und bei der Produktion wird ein Resozialisierungsprojekts ebenfalls im süddeutschen Raum unterstützt. Auf synthetische & chemische Stoffe wird vollkommen verzichtet und keins der Produkte & der verwendeten Inhaltsstoffe wurde an Tieren getestet. Der Gründer Marcel Albrecht & die Aromatherapeutin Barbara Heinzmann leben vegetarisch und alle Produkte kommen ohne tierische Inhaltstoffe aus. Das Sortiment: Duftkerzen (mit Refill) und Raumparfums sowie Duftbonbons für den Kleiderschrank, Kommode oder Handtasche. Mein persönlicher Favorit: Das pinke Raumspray „Liebe“.
  • Tassenlampen: Tassen von Flohmärkten, Second-Hand-Läden oder Sperrmüll schenkt Friedrich Emde ein vollkommen neues Leben als Lampe. Jede Tasse wird mit einem schwarzen oder bunten Kabel & einer Glühbirne versehen und verschönert so jeden Raum. Entweder einzeln als Hingucker oder mehrere nebeneinander. Gelungenes Recycling!
  • frau p im atelier: Mit Blick auf den Rhein arbeitet die Designerin Britta Pasche mitten im Duisburger Hafengebiet. Sie stellt aus recycelten Textilien Wohnaccessoires (Kissen, Tischläufer, Kissenbezüge, Tischsets, Wandbehänge) her – nicht selten mit maritimem Einfluss. Die Stoffe bekommt sie überwiegend geschenkt – so wird aus einem Ballkleid ein Tischläufer oder eine Winterjacke zum Kissen. Bedruckt werden die Stoffe immer von Hand und auch mal ganz traditionell mit Zwiebel- oder Kartoffelstempel. Schöne Geschichte: der Stoff dieses Tischsets stammt von Brittas ehemaliger Religionslehrerin. Finde ich gut: Individuelle Kundenwünsche erlaubt.
  • Ex-Presso: Espressotassen aus Kaffeesatz? Eigentlich logisch – das dachte sich der Berliner Designer Julian Lechner beim Kaffeetrinken in Italien und machte sich ans Werk. Nach einigen Versuchen hatte er das richtige Mischungsverhältnis von Kaffeesatz & Zucker gefunden und die Ex-Presso Tassen waren geboren. Einige heiße Espressi können getrunken werden, dann werden die Tassen einfach im Biomüll entsorgt. Sehr schön: der in der Tasse enthaltene Zucker wird durch den heißen Kaffee gelöst und süßt ihn gleich schon. Bisher stellt Julian die Tassen nur in kleinen Mengen her, das könnte sich aber sehr schnell ändern – es gab bereits Anfragen von Unternehmen, die die Tassen produzieren möchten.
  • Sehr spannend fand ich auch den Vortrag der Architektin & Möbelschreinerin Tina Kammer von InteriorPark. mit dem Titel „Moderne Räume – individuell, nachhaltig, ästhetisch“. Die meisten Menschen haben den ganzen Tag ein Dach über dem Kopf: wir wohnen & arbeiten in geschlossenen Räumen & Gebäuden. Diese sind aber nicht nur ein Schutz gegen die Witterung, sie wirken sich durch Architektur, Licht, Farbe & Klima auch auf unser Lebensgefühl & Wohlbefinden aus. Ebenso können sich Lösemittel, Lacke, Formaldehyd, Stäube oder Dämpfe in den Räumen auf unsere Gesundheit auswirken und Kopfschmerzen, Asthma oder Konzentrationsstörungen verursachen. Beim Bauen & Einrichten von Gebäuden ist es also nicht nur gut, auf den Ressourcenverbrauch zu achten, sondern auch Wert auf die eingesetzten Materialien zu legen. Hochwertige & unbedenkliche Materialien sind beispielsweise Bambus, Vollholzparkett, recycelter Filz (aus PET), Bodenbelag aus Kaffeesatz, Walnuss- oder Kokosnussschalen. Möbel und andere Einrichtungsgegenstände können aus recycelten oder upcycelten Materialien hergestellt werden. Konsumenten legen immer mehr Wert auf individuelle, aber auch nachhaltige Produkte und wollen genau wissen, wie und wo diese hergestellt werden. Bei InteriorPark. werden genau diese Fragen beantwortet und über ihren Shop mit Möbel und Einrichtungsgegenständen hinaus bieten Tina Kammer & Andrea Herold Beratung in Sachen Planung & Material nachhaltiger Räume und Gebäude an. Sehr interessant ist auch ein Blick in die umfangreiche Materialbibliothek.

Nach der Messe durfte ich noch einen Blick auf den neue Ladengeschäft von glore werfen: Nach Nürnberg, München und Hamburg folgt nun Stuttgart und am Ende des Sommers wird glore einen Laden mit grüner Damen- und Herrenbekleidung eröffnen. Der Laden ist ganz in der Nähe des legendären Vegi Voodoo King – dort haben wir vor der Rückfahrt nach München noch Falafel mit Hummus gegessen. Stuttgart, bald komm ich wieder!

Kategorie Fashion
Autor

Ich bin Franziska und liebe schöne Dinge. Dazu gehören für mich unbedingt Mode sowie Kosmetik und auch gutes Essen in coolen Restaurants. Aber schön soll es nicht nur für mich sein, sondern auch für andere. Nämlich die Umwelt, Tiere und Menschen. Deshalb: vegan, eco und fair.

5 Kommentare

  1. Toller Beitrag! Die vorgestellten Designer/Shops/Produkte muss ich mir mal näher anschauen. Finde es immer wieder schön zu sehen, dass bio/öko/etc. nicht mit langweilig oder hässlich gleichgesetzt werden muss. :-)

  2. Danke für Deinen Beitrag!
    Und super, daß ica watermelon gewonnen hat.
    Habe ich mir auch so erwartet.

    Danke für deine weiteren Entdeckungen, da entdecke ich gleich mit :-)

    • Franziska

      @Sabrina: Freut mich sehr, dass Dir meine Entdeckungen gefallen. Die Zeiten von Wollsocken-Öko sind definitiv vorbei – zum Glück!

      @Fr.Jona&Son: Schön, dass ich Dich virtuell auf Entdeckungsreise mitnehmen konnte. ica watermelon ist auch wirklich ein tolles Label.

  3. Hallo Franziska,

    danke für das Lesefutter :-). Da werde ich es mir kommendes Wochenende mal gemütlich machen und die vielen interessanten Links ansurfen, die du zusammengestellt hast (vorher habe ich leider keine Zeit dazu). Bin schon gespannt :-)!

    Liebe Grüße,
    die Kirschbiene

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