Dokumentation Sweatshop: Mode auf Kosten von anderen

Armedangels: Made by humans I Veggie Love

Die Fashion Week in Berlin liegt nur ein paar Tage hinter uns und ist immer eine gute Gelegenheit, tief in die Welt der Mode einzutauchen. Schon immer besuche ich bei Messen und den Schauen nur solche Labels, die sich mit nachhaltiger Mode beschäftigen. Dennoch hat mich eine Dokumentation über die Textilindustrie diese Woche sehr nachdenklich hinterlassen. Eigentlich wissen wir alle, was hinter verschlossenen Türen passiert. Egal, ob das die Tore von Schlachthäusern sind oder die von Textilfabriken. Ebenso wie ich eine tierfreundliche, sprich zu Tieren freundliche, Lebensweise befürworte (und selbst lebe), so wichtig finde ich eine zu Menschen freundliche Lebensweise. Dazu gehört ganz klar: menschenwürdige Arbeits- und Lebensbedingungen. Ebenso wie Tiere für Leder, Pelz, Daunen, Seide und Wolle leiden und ausgebeutet werden, so sind Menschen für Mode und Bekleidung oft ihr Leben lang Bedingungen ausgesetzt, die wir uns hier kaum vorstellen können. So ging es auch den drei Protagonisten in einer norwegischen Dokumentation.

Anniken, Frida und Ludvig sind zwischen 17 und 20 Jahre alt und lieben Mode. Anniken schreibt einen der meist gelesenen Fashion Blogs Norwegens. Frida legt Wert auf einen individuellen Kleidungsstil und kauft deshalb gerne Vintage. Der Student Ludvig hat sich bisher nicht viele Gedanken über seinen Konsum von Klamotten gemacht und hat auch einiges im Schrank, das er noch nie getragen hat. Alle drei werden nach Kambodscha geschickt, um dort das Leben der Arbeiter kennenzulernen, die ihre Bekleidung nähen. Was sie dort erleben, ist in der Dokumentation „Sweatshop“ der norwegischen Zeitung Aftenposten zu sehen.

Die erste Nacht verbringen sie im Haus der jungen Näherin Sokty. Sie wohnt in beengten Verhältnissen („Unser Badezimmer ist größer als ihre Wohnung“). Alle schlafen auf dem harten Boden oder besser: sie schlafen nicht. Um 6 Uhr geht es zur Arbeit in die Textilfabrik. Immer wieder sagt Anniken über die schlechten Arbeits – und Lebensumstände der Textilarbeiter: „Sie sind es ja nicht anders gewohnt.“

Schon nach wenigen Stunden an der Nähmaschine machen sich Hunger, Müdigkeit und Verzweiflung breit – nähen sie doch Stunde um Stunde immer wieder die gleiche Naht. Auch Druck bekommen sie zu spüren, denn wenn sie nicht sorgfältig oder schnell genug arbeiten, kann der Näher, der das Kleidungsstück nach ihnen bearbeitet, nicht richtig weiter arbeiten und wertvolle Zeit geht verloren. „Ein Teufelskreis“, wie Frida schnell erkennt. Am Ende ihres Arbeitstages haben sie je drei Dollar verdient.

Sokty verdient ebenfalls drei Dollar am Tag, monatlich etwa 130 Dollar. Gearbeitet wird in der Textilfabrik sieben Tage die Woche. Jeden Tag zwischen zehn und zwölf Stunden, sonntags nur acht. 50 Dollar gibt sie für ihre Wohnung und Strom aus, der Rest reicht mehr schlecht als recht für Lebensmittel. Nicht genug Geld für Nahrung – Hunger ist für alle Textilarbeiter ein großes Problem, deshalb fordern sie einen Mindestlohn von monatlich 160 Dollar. Dafür gehen sie auf die Straße und protestieren – Forderungen, für die sie geschlagen und misshandelt werden.

Das Fazit von Ludvig ist schnell klar: „Das ist unfair.“ Auch Anniken revidiert ihre Meinung und sieht ein, dass das Leben der Näher nicht unbedingt gut ist, nur weil diese es nicht anders kennen. Von nun an will sie andere über die Herkunft von Bekleidung aufklären. (Leider zeigen die aktuellen Artikel auf ihrem Blog etwas anderes: Fashion Fashion ohne Ende).

Alle fünf Teile der einstündigen Dokumentation sind hier zu sehen.

Bild via Armedangels

Kategorie Fashion
Autor

Ich bin Franziska und liebe schöne Dinge. Dazu gehören für mich unbedingt Mode sowie Kosmetik und auch gutes Essen in coolen Restaurants. Aber schön soll es nicht nur für mich sein, sondern auch für andere. Nämlich die Umwelt, Tiere und Menschen. Deshalb: vegan, eco und fair.

6 Kommentare

  1. Hallo – wow toller beitrag und so wichtig das mit anderen zu teilen! richtig cool deine seite bzw blog!!!!
    Trägst du denn selber auch nur vegane Kleidung?Hast du einen guten Tipp für Läden? Gerne auch online! Schreib mir doch mal-würde mich riesig freuen einen Kontakt aufzubauen! GLG Pauline

    • Franziska

      Hallo Pauline – danke Dir für die netten Worte! Ich trage nur vegane Bekleidung und schon bevor ich mich für eine vegane Lebensweise entschieden habe, war mir sehr wichtig, woher meine Bekleidung kommt. Sprich, ökofairvegan. Empfehlen kann ich den grünen Concept Store glore (gibt es in Nürnberg, München, Hamburg, Stuttgart und bald in der Schweiz, sowie einen Online Shop).

      In Berlin und München gibt es Dear Goods (rein vegan plus Eco Fashion) auch mit Online Shop. Loveco ist ebenfalls in Berlin, auch dort es nur vegane Eco Fashion. In München gibt es zudem Veganista, wie der Name sagt ebenfalls vegan und mit Ausrichtung Eco Fashion.

      Hoffe, das hilft Dir weiter. Viele Grüße, Franziska

  2. Hey Franziska
    Vielen lieben Dank für die Infos. Toll wenn du das schon so lange machst. Das soll auch mein Weg werden. Cool cool ich habe deinen Blog gleich gespeichert. Berichtest du viel über Kleidung? Habe leider wenig auf dem Blog gefunden

  3. Hallo Franziska,

    ich habe mir alle Folgen angesehen, weil mich das Thema sehr interessiert. Viele wissen zwar über die herrschenden Zustände, können diese aber immer wieder verdrängen.
    Ich fand es immer weniger schön wenn gesagt wurde : „Ja ist schlimm, aber die sind es nicht anders gewohnt. Für die ist das gar nicht so schlimm!“ Das würde ich so nicht unterschreiben.

  4. Pingback: Sweatshop | Ansichtsexemplar

  5. Damaris

    Vielen Dank für den tollen Beitrag. Bei Kleidung ist es leider bei den meisten meiner Freunde immer noch so, dass man sie ständig mit solchen Videos und Artikel daran erinnern und neu wach rütteln muss, was sie so mit ihrer Kleidung ungesehens noch tragen.

    Vor einer Weile war ich ganz erschüttert über mich, als ich auch mal über eine tägliche Textilie ganz anderer Art nachdachte (und veränderte): meine Bettdecke. Man liegt jeden Tag drin und drunter und verschwendet keinen Gedanken daran. Ich war so erfreut darüber, als ich endlich unter meine neue Bettdecke schlüpfen konnte. Hab mich für eine Tencel-Decke von purnatour entschieden und konnte endlich meine Daunendecke in den Keller verbannen.

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