Eco Fashion Week

Vier Tage. Sieben Messen. Drei Showrooms. Zwei Schauen. Ein Roundtable. Ein Frühstück mit Diskussion. Ein offizielles Interview. Eine Party. Ein Taschenworkshop und zwei kulinarische Neuentdeckungen. Nicht gezählt: die vielen tollen Gespräche und die Kilometer durch Berlin. So sah meine Eco Fashion Week im Januar aus.

Seit etwas über eine Woche ist der Modezirkus in Berlin aber schon wieder vorbei und auf meinem Schreibtisch stapeln sich immer noch Kataloge, Broschüren und Magazine, die bei passender Gelegenheit weiterverarbeitet werden. Mittlerweile gibt es Öko-Mode an sehr vielen Orten zu sehen. Diese Saison habe ich besucht: Premium, Bread & Butter, Seek, Infashion, Green Showroom mit der Salonshow, Ethical Fashion Show, Bright, Seek, Wesen Showroom, Umasan Flagship Store, Eco Showroom und den Lavera Showfloor. Hier meine Highlights:

  • Mein Lieblingslabel: Die Schuhe von Sydney Brown. Zum ersten Mal überhaupt wurden diese auf der Seek der Öffentlichkeit präsentiert. Komplett ohne tierliche Materialen, dafür mit umso mehr Stil. Als die Vegetarierin Sydney Brown erfuhr, wie viel Wasser in der Lederindustrie verbraucht wird, beschloss sie, keines mehr zu tragen. Früher kaufte sie Schuhe von Acne oder Margiela und als sie dann auf eine Hochzeit eingeladen war, fand sie nichts Vergleichbares ohne Leder. So startete sie ihr eigenes Schuhunternehmen. Bei der Entwicklung hat sie zusammen mit Kate Fletcher gearbeitet und ihr Ziel ist es, spätestens in fünf Jahren komplett nachhaltige Materialien zu verwenden. Nun fehlt es noch an Läden, in denen diese Schönheiten gekauft werden können.
  • Mein magischer Moment der Modewoche: Die Schau von Isabell de Hillerin, die vom Elektrosound von Notic Nastic musikalisch begleitet wurde. Isabell verbindet traditionelle rumänische Handwerkskunst mit moderner Eleganz. Falls noch jemand den Beweis braucht, dass nachhaltige Mode schön ist, dann ist er das. Die Berliner-New-Yorker-Band Notic Nastic ist übrigens vegan – das ist natürlich einen eigenen Artikel wert. An dieser Stelle nur so viel: ich höre die neue CD „Fullscreen“ hoch und runter.
  • Eine Kollektion, die Lust auf Sommer macht: People Tree aus England, bei denen es nachhaltige Mode aus fair gehandelten Materialien gibt. In der neuen Kollektion finden sich feminine Röcke, luftige Sommerkleider, Blusen und bedruckte T-Shirts.
  • Für drunter: Fast nackte Tatsachen präsentierte die brandneue Unterwäschenmarke Buttwrap. Eine Idee aus Berlin, die Produkte hergestellt in einem portugiesischen Familienbetrieb und die Investition von 50% des Gewinns in soziale Projekte nach dem Motto „Use your butt for something bigger“.
  • Mehr Nachhaltigkeit geht fast nicht: die „Change Kollektion“ des Textilherstellers Trigema, der seit jeher im Schwäbischen Burladingen fertigt. Das Besondere: Trigema Change ist nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip hergestellt. Das bedeutet, dass jedes Teil wieder in den Kreislauf zurückgeführt werden kann und kein Abfall entsteht. Kurz: kompostierbare Mode. Wie sieht die Kollektion aus? Basics wie T-Shirts und Sweatshirts. Ich persönlich würde eher zu den Teilen aus der Herrenkollektion greifen, die gefallen mir sehr gut.
  • Wenn es schicker sein soll: die Hemden von aluc. Upcycling ist das neue Recycling. Für Damen & Herren.
  • Nicht nur für Skater oder Waldorfschüler: bleed organic. Bekannt wurde das Skaterlabel durch sein „I can dance your name“-Shirt. Darüber hinaus gibt es bei bleed aber noch jede Menge andere tolle Teile: ein Jeanshemd aus Biobaumwolle und Hanf, Chinos, Jeans, Pullis und natürlich jede Menge coole T-Shirts.
  • Kann ich das alles mitnehmen, bitte? Das dachte ich im Wesen Showroom als mir Mareike Ulman die neue Kollektion ihres Labels format zeigte. Pastellige Eiscremetöne, klassische und dennoch sehr besondere Shirts, Hosen und eine Tasche, die sich als echtes Raumwunder erwies. Außerdem gibt es bei Format einen sehr femininen Wintermantel aus Biobaumwolle, der garantiert warm hält.
  • Bestes T-Shirt: Das dänische Öko-Label A Question Of macht klassische Oberbekleidung: T-Shirts, Tanktops und Sweetshirts. Die Gründer der Marke bezeichnen sich als „Eco Yuppies“ und das ist auch auf vielen Shirts zu lesen.
  • Schmuck: Schon im letzten Sommer habe ich mich in die Schleifenketten von Rita in Palma verliebt. In diesem Jahr hat das Label mit einer Fertigungsnähstube in Neukölln sogar den „Young Designer Award“ der Messe Premium gewonnen. Herzlichen Glückwunsch!
  • So not fashion: Die Notizbücher von deaf messanger aus dem Upcycling Store.
Kategorie Fashion
Autor

Ich bin Franziska und liebe schöne Dinge. Dazu gehören für mich unbedingt Mode sowie Kosmetik und auch gutes Essen in coolen Restaurants. Aber schön soll es nicht nur für mich sein, sondern auch für andere. Nämlich die Umwelt, Tiere und Menschen. Deshalb: vegan, eco und fair.

2 Kommentare

  1. wow die „change collection“ finde ich ja richtig toll! so sauber, clean und dennoch total stylisch. ich liebe auch die mädchenmode ;-) schade, dass ich nur studentin bin und mir nichts davon leisten kann im moment. es ist halt iwie schon hart 50 euro für ein shirt auszugeben, obwohl es natürlich perfekt wäre und ich vollkommen dahinter stehe. manchmal frage ich mich, wo die grenze zu ziehen ist. „zwischen kann ich mir nicht leisten“ und „du musst dich trotzdem nicht schlecht fühlen“. vor allem der h&m check im ersten hat mich wieder mal zum grübeln gebracht. wo fängt man an? :) philosophisch alles. vltl einen artikel wert ;) aber erstmal: ein hoch auf deinen artikel und alle eco yuppies!

    • Franziska

      Liebes Löwenherz – die Frage nach dem Preis wird natürlich auch diskutiert, auch in der Öko-Mode-Branche. Natürlich hat nicht jeder das Budget für 50-Euro-Shirt. Was also tun? Second Hand ist immer die nachhaltigste Form von Einkaufen, weil dafür nichts Neues produziert wird. Upcycling und aus Altem was Neues machen. Sich immer fragen: brauch ich das wirklich? Seltener einkaufen, dafür aber dann Öko-Mode. Und falls das wirklich nicht möglich ist, dann wenigstens darauf achten, dass die Kleidungsstücke auch eine Weile getragen werden können (in Sachen Qualität und Zeitlosigkeit). Hier noch ein Hinweis auf Good Wear, die sich zum Ziel setzen, Öko-Mode zu Studentenpreisen anzubieten: http://www.good-wear.de/ Love & Veggies, Franziska

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