No go bei To go: Einwegkaffeebecher

Kaffeebecher Pfandbecher Zero Waste Recup I Veggie Love

Wir müssen dringend über Einwegbecher und Kaffee reden. Coffee to go, wie er auch bei uns so schön heißt. Denn wir haben es offenbar so eilig, dass selbst die Worte „Kaffee zum Mitnehmen“ viel zu lang sind.

Meine erste Begegnung mit mobilen Kaffeebechern

Nach dem Abitur war ich für ein Jahr als Au-pair in den USA. Eine wertvolle Zeit und gute Erfahrung, die mir für sehr viele Dinge die Augen geöffnet haben. Allerdings auch für Dinge, die ich damals rasend toll fand und heute so gar nicht mehr. In Amerika betrat ich nämlich meinen ersten Starbucks und war angetan – das gab es bei uns damals nämlich (noch) nicht. Kaffee trank ich zu dieser Zeit zwar nicht, dafür jede Menge heiße Schokolade und Chai.

Gewohnt und gearbeitet habe ich bei einer Familie in Connecticut, von dort bin ich an meinen freien Tagen regelmäßig abwechselnd nach New York City und Boston gefahren. In der Großstadt fielen mir in der wuselnden Menschenmenge die To-go-Becher aus Pappe erst so richtig auf (in Connecticut musste man überall mit dem Auto hinfahren und Fußgänger*innen habe ich nur in der Mall gesehen). Und ich gestehe, dass ich das im ersten Moment chic und irgendwie großstädtisch-cool fand.

Nach Deutschland mitgebracht hatte ich mir einen wiederverwendbaren Becher im typischen Starbucksdesign und die Attitüde, dass wir hier auch dringend mehr Menschen mit Heißgetränken in der Hand im Straßenbild brauchen. Einige Male bin ich deshalb mit meinem zuhause befüllten Becher durch die Kleinstadt spaziert – das Ergebnis: mehr irritierte Blicke als mein Teenager-Selbstbewusstsein aushalten konnte.

On the go: Mehrweg statt Einweg

Die Zeiten haben sich geändert, schließlich liegt mein Engagement als Kindermädchen in den USA bereits 20 Jahre zurück. Wegwerfbecher mit Plastikdeckel gehören heute (leider) fest ins Bild – ob morgens in öffentlichen Verkehrsmittel, an Bahnhöfen und Flughäfen, auf Spielplätzen und im Park, einfach überall. Auf der anderen Seite sehnen sich viele Menschen, ich inklusive, nach Entschleunigung statt Leben on the go. Mussestunden im Café mag ich lieber als einen Becher durch Menschenmassen zu balancieren und dennoch gibt es genug Momente, in denen ich in der Früh mit meinem mit Kaffee oder Tee gefüllten Keep Cup auf den Zug eile oder ihn an irgendeinem Bahnhof für den Koffeinkick über die Theke reiche.

Wegwerfkaffeebecher sind kein Statussymbol, da sind wir uns sicherlich einig. Auch mein Au-pair-Ich hat schon lange verstanden, dass Kaffee im Wegwerfbecher indiskutabel ist und definitiv kein Zeichen von Urbanität. Vielmehr stehen Einwegkaffeebecher für Ignoranz und eine Bequemlichkeit, die wir uns nicht erlauben können. Insbesondere, wenn die Becher nach dem Kaffeegenuss achtlos auf die Straße oder in die Natur geworfen werden.

Swap it Kaffeebecher Pfandbecher I Veggie Love

Pro Stunde werden in Deutschland 320.000 Becher verbraucht

Bei der Deutschen Umwelthilfe habe ich diese Zahlen gefunden: allein in Deutschland werden pro Stunde 320.000 Einwegbecher für Kaffee verbraucht, im Jahr sind das fast drei Milliarden Becher. Und eine Studie von TNS Emnid hat ergeben, dass in Berlin jeden Tag fast eine halbe Million (etwa 460.000) Einwegkaffeebecher benutzt (und damit auch weggeworfen) werden.

Woraus besteht eigentlich so ein Becher? Zum Großteil aus Papierfasern. Hier wird in der Regel Neumaterial verwendet, Recyclingpapierfasern kommen praktisch nicht zum Einsatz. Das bedeutet: Bäume müssen gefällt werden. Zudem besteht der Becher anteilig aus Kunststoff, dafür wird Rohöl gebraucht (etwa 22.000 Tonnen pro Jahr). Dazu kommen der Plastikdeckel sowie oft noch Rührstäbchen, Papiermanschetten und die Tragehilfe aus Pappe. (Diese Infos stammen ebenfalls von der Deutschen Umwelthilfe).

Alles in allem: für das mobile Kaffeetrinkvergnügen aus Wegwerfbechern werden ganz schön viele Ressourcen verbraucht. Und am Ende landen sie zudem viel zu oft auf der Straße, an öffentlichen Plätzen oder in der Natur.

Smart und sinnvoll: ein Pfandsystem für Kaffeebecher

Und ja, ich weiß natürlich, dass der Kaffeedurst auch spontan kommen kann. Oder wenn man morgens vergessen hat, den Mehrwegbecher einzupacken. Dafür hat Recup die Lösung: ein deutschlandweites Pfandsystem für Mehrwegbecher (und gerade auf internationalem Expansionskurs).

Ich bin sehr beeindruckt, was das Start-up aus Bayern in den letzten Jahren auf die Beine gestellt hat. Los ging es 2016 mit einem Pilotprojekt in Rosenheim. Fast gleichzeitig startete in Berlin ebenfalls das Pilotprojekt von Just Swap it (und das bequemerweise direkt vor meiner damaligen Haustür in Neukölln). Beide hatten das Ziel, ein deutschlandweites Pfandsystem zu etablieren und haben sich kurzerhand dafür zusammen getan. Stand heute: Recup hat über 2.400 Partner und auch hier in der Kleinstadt begegnen mir die Becher regelmäßig (allein in der Innenstadt gibt es die Becher in sechs Cafés und an fast 20 Orten über ganz Konstanz verteilt). Just Swap it gibt es ebenfalls noch, bei der Gründerin Ulrike kann man sich schon ab einer kleinen Auflage Mehrwegbecher für die eigene Marke oder den eigenen Laden bedrucken lassen.

Wer es noch nicht kennt, das System ist ganz einfach: im Partner-Café der Wahl (die findet man über die Recup-App) Kaffee (oder Tee oder heiße Schokolade) im Recup bestellen. Der kostet einen Euro Pfand. Den Becher kann man entweder am gleichen Ort oder bei einem anderen Recup-Partner zurück geben – auch ungewaschen. Oder man spült ihn selbst und bringt ihn zum Wiederbefüllen mit. Deckel gibt es übrigens auch, die sind allerdings nicht Teil des Pfandsystems. Sie können einmalig dazu gekauft und immer wieder verwendet werden. So ein Pfandbecher kann übrigens rund 500 Mal verwendet werden.

Und hier noch eine gute Aktion von Kolleginnen:

Anna von Green Friday sowie Anneken und Swantje von Biomädchen haben die Glorifizierung von Wegwerfkaffeebechern satt, die man auf Instagram unter #coffeetogo jeden Tag zu sehen kriegt und starten eine neue (Gegen)bewegung: Bilder mit Mehrwegbechern posten und diese ebenfalls mit #coffeetogo sowie #zerowastecoffee versehen.

Und jetzt trinke ich erst mal einen Kaffee, ganz altmodisch zuhause und aus meiner Lieblingstasse. Nächstes Mal sprechen wir dann über Kaffee (der ist ja leider auch nicht ohne was Ressourcenverbrauch und Ausbeutung angeht) oder über Strohhalme aus Plastik. Oder, oder, oder. Gesprächsbedarf gibt es genug.

 

Fotos: Titelbild mit recup von Lydia Hersberger / Bild mit Swap it Becher von Nora Dal Cero

Kategorie Food
Franziska
Autor

Ich bin Franziska und liebe schöne Dinge. Dazu gehören für mich unbedingt Mode sowie Kosmetik und auch gutes Essen in coolen Restaurants. Aber schön soll es nicht nur für mich sein, sondern auch für andere. Nämlich die Umwelt, Tiere und Menschen. Deshalb: vegan, eco und fair.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *