Let’s talk about: Faire und vegane Mode

Trenchcoat von Langerchen I Veggie Love

Eine schöne und ansprechende Bezeichnung für nachhaltige Mode zu finden, ist durchaus eine Herausforderung. Fair, sustainable, conscious oder ethical fashion sind Begriffe, die nicht nur ich oft gebrauche, denn das Wort Öko-Mode klingt furchtbar altbacken. Wenn dann noch der Veganismus ins Spiel kommt, wird die Wortfindung leider auch nicht leichter. Dabei sind Labels und Schubladen, in die Dinge gesteckt werden, nirgends wichtiger als in der Mode.

Seit über neun Jahren lebe ich vegan. Anfangen hat die Umstellung in der Küche, gleich danach waren bei mir der Kleiderschrank und das Badezimmer dran. Kurz zuvor hatte ich mir schon die ersten Kleidungsstücke von Marken gekauft, die damals und im Zuge der LOHAS-Bewegung (Lifestyle of Health and Sustainability) als Pioniere der nachhaltigen Mode gefeiert wurden. Eine neue Definition für Mode musste her, zunächst nur für mich selbst und später auch für meine Arbeit, als ich an anfing, über nachhaltige und vegane Mode zu schreiben.

Niemand sollte für Mode leiden müssen

Der Gedanke, dass ein Mensch oder ein Tier – ein fühlendes Lebewesen – für mein Aussehen, für mein Mode-Vergnügen und für meinen Stil leiden muss, ist absurd und zutiefst verstörend. Trotzdem ist es harte Realität, die von unserem täglichen Konsum meist viel zu weit entfernt ist, um Kaufentscheidungen wirklich zu beeinflussen. Dennoch und gerade deshalb wollte ich kein Teil dieser riesigen Industrie mehr sein, deren Profit auf Kosten von anderen gemacht wird.

Vegane Eco Sneakers von Ethletic I Veggie Love

Der gute Dreiklang: Eine neue Definition für Mode

Mode soll rundum gut sein. Gut aussehen, gut hergestellt werden und aus gutem Material sein. Was genau soll das nun heißen? Niemand und nichts sollte zu Schaden kommen: nicht die Umwelt, keine Menschen und keine Tiere. Eigentlich ganz einfach, oder?

Und wenn Mitgefühl für andere noch nicht Motivation genug ist: Nicht zuletzt können wir zudem mit dem Tragen von Mode auch der eigenen Gesundheit schaden. Werden nämlich bei der Herstellung von Kleidungsstücken giftige Pestizide und schädliche Chemikalien eingesetzt, kommen diese in der Produktion zwar zunächst nur mit den Textilarbeitern in Berührung, später allerdings auch mit unserer Haut. Und die ist schließlich unser größtes Organ.

Während Veganismus auf dem Teller inzwischen viel und oft besprochen wird, ist vegane und nachhaltige Mode immer noch ein Thema, das viele Fragen aufwirft. Genau diese häufig gestellten Fragen habe ich notiert und auch gleich eine Antwort darauf parat.

Was ist vegane Mode?

Rein per Definition sind das Kleidungsstücke, für die kein tierisches Material verwendet wurde. Nicht vegan sind: Pelz, Leder, Wolle, Seide, Daunen, Horn und Perlmutt.

Warum vegan?

PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) erklärt es ethisch: Tiere sind nicht dazu da, dass wir sie tragen. Die Tierrechtsorganisation plädiert für die Freiheit als einzig artgerechte Haltung und setzt sich dafür ein, dass Tiere keinen Zweck erfüllen müssen (wie das beispielsweise traditionell bei sogenannten Nutztieren geschieht).

Auch der Umweltaspekt ist nicht zu vernachlässigen: Tierhaltung ist ein massiver Treiber von Klimaschäden sowie der Luft- und Wasserverschmutzung.

Ein paar Worte zu Leder

Während die grausamen Methoden der Pelzindustrie die meisten Menschen erschaudern lassen, ist Leder für viele ein favorisiertes Naturmaterial. Dabei ist Leder – wenn man es sich recht überlegt – nichts anderes als Pelz. Nur eben ohne Tierhaar. Zudem wird meiner Meinung nach immer vergessen, dass auch eine pflanzliche Gerbung nur dazu da ist, die Tierhaut vor der Verwesung zu bewahren. Das sind arg schlimme Details, die man allerdings immer wieder mal erwähnen muss.

Auch ein Abfallprodukt – wie oft vermutet – ist Leder nicht. Laut PETA werden jährlich für die globale Lederindustrie über eine Milliarde Tiere geschlachtet. Das amerikanische Landwirtschaftsministerium gibt zudem an, dass Leder das wirtschaftlich wichtigste Nebenprodukt der Fleischgewinnung ist.

Eco Fashion Stilklassiker I Veggie Love

Was ist faire Mode?

Auch hier zunächst per Definition: Kleidungsstücke, die unter fairen Bedingungen hergestellt wurden. Dazu sollten existenzsichernde Löhne sowie sichere Produktionsstätten gehören.

Ist vegane Mode auch immer umweltfreundlich und fair?

Nein, denn ein T-Shirt aus konventioneller Baumwolle von einem Fast-Fashion-Hersteller besteht zwar aus veganem Material, das allerdings weder im Anbau nachhaltig ist noch in der Herstellung angemessen bezahlt wurde.

Was sind umweltfreundliche und vegane Stoffe?

Naturmaterialien wie Baumwolle, Hanf oder Flachs aus biologischem Anbau. Darüber hinaus Zellulosefasern aus Holz, Bambus und Soja, Seacell-Fasern aus Algen und Kapok, das auch als pflanzliche Daune bekannt ist.

In den vergangenen Jahren gab es zudem Materialinnovationen wie Ananasleder aus den Blättern der Früchte, die bisher nach der Ernte als Abfall am Boden zurückblieben. Auch aus nachwachsenden Getreidesamen (die nicht aus der Nahrungsmittelindustrie stammen) kann ein lederartiges Material hergestellt werden.

Eines der ältesten Gewebe, das heute noch zum Einsatz kommt, ist Lubugo, die Rinde des Feigenbaums. Auch Kork sowie Bananen- oder Kokosfasern sind umwelt- und tierfreundlich.

Nicht zu vergessen: Stoffe, die wiederverwendet werden – zum Beispiel recyceltes Polyester oder Stoffe aus recyceltem Material wie PET-Flaschen. (Anmerkung: Um zu vermeiden, dass Mikroplastik über die Waschmaschine ins Gewässer gelangt, gibt es spezielle Beutel, die die Fasern auffangen.)

Welche Siegel gibt es, um gute Mode zu erkennen?

GOTS, der Global Textile Standard, kontrolliert in der ganzen textilen Kette die ökologischen und sozialen Kriterien.

Die Fair Wear Foundation fordert existenzsichernde Löhne und ist damit die ideale Ergänzung zum GOTS-Zertikat.

Für vegane Mode gibt es bisher nur das „PETA Approved Vegan“-Label.

Ein schönes Wort oder eine griffige und für alle verständliche Beschreibung für Mode, die gleichzeitig vegan, umweltfreundlich und fair ist, habe ich trotz aller Bemühungen bis heute nicht gefunden. Am Ende sind Schubladen und Labels vielleicht doch nicht so wichtig, sondern eher unsere Haltung zu Mode, Nachhaltigkeit und Konsum sowie unsere Kaufentscheidungen, die daraus folgen.

Fotos: Nora Dal Cero für Veggie Love

Dieser Artikel über faire und vegane Mode ist Teil des digitalen Buchs „Slow down your wardrobe: A blogger’s guide to ethical fashion“. Der Guide mit Beiträgen von über 30 Fair Fashion Blogger*innen kann hier kostenlos heruntergeladen werden.

Wardrobe Revolution Slow down your wardrobe Guide to ethical fashion I Veggie Love

Kategorie Fashion
Autor

Ich bin Franziska und liebe schöne Dinge. Dazu gehören für mich unbedingt Mode sowie Kosmetik und auch gutes Essen in coolen Restaurants. Aber schön soll es nicht nur für mich sein, sondern auch für andere. Nämlich die Umwelt, Tiere und Menschen. Deshalb: vegan, eco und fair.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *