Haare & Henna

Haarefärben & ich haben schon eine langjährige, gemeinsame Geschichte: Als ich dreizehn oder vierzehn war, habe ich eine Haartönung bei irgendeinem Gewinnspiel gewonnen und meine Haare zum ersten Mal selbst gefärbt. Seitdem habe ich auch meine Naturhaarfarbe nicht mehr gesehen. Anfangen habe ich damals mit Tönungen namens „Paprika“ oder „Aubergine“, es war auf jeden Fall sehr rotlastig.

Nach der Zeit der Rot-Experimente folgte professionelles Färben bei der jeweiligen Friseurin meines Vertrauens. Kurz vor dem Abitur entwickelte ich eine Vorliebe blonde Strähnchen. Denen blieb ich eine wirklich lange Zeit treu und rote Haare waren nur noch eine langsam verblassende Erinnerung. Aber das Blond langweilte mich irgendwann (und ich erreichte irgendwie auch nie das perfekte Karamellblond, das mir immer vorschwebte) und ich wollte eine neue Haarfarbe: Schokobraun. Dabei war ich an einem Punkt fast schwarzhaarig – übrigens keine Farbe, die meinem hellen Teint besonders schmeichelt. Während der Schokobraun-Phase, die sich über viele Jahre hinzog, fing ich wieder an, meine Haare selbst zu Hause zu färben. Da meine Liebe zu Bioprodukten nicht in der Küche aufhört, lag auch das Färben mit Pflanzenhaarfarbe & Henna nahe. Von meinem ersten Versuch mit Henna in Pulverform (mit Logona Braun-Umbra) ist mir vor allem die große Sauerei im Waschbecken in Erinnerung, die Farbe war aber sehr schön.

Darauf folgten einige Versuche mit schon fertig gemischter Pflanzenhaarfarbe, das Ergebnis konnte sich auf jeden Fall sehen lassen und auch die Verschmutzung an Kleidern und des Badezimmerbodens sind nicht erwähnenswert. Dennoch gab es da noch eine Zeit, in der ich zu zwei Friseuren gleichzeitig ging: gefärbt wurde mit Farbe von Aveda (Pflanzenhaarfarbe mit 99% natürlichen Inhaltsstoffen) und zum Schneiden zu meiner üblichen Friseurin. Das hört sich nicht nur zeitintensiv an, das war es auch. Zumal ich vor dem erstmaligen Färben mit Aveda ungefähr vier Wochen auf die Antwort des „Labors“ warten musste, um zu erfahren, dass mein gewünschter Farbton tatsächlich ohne tierische Inhaltsstoffe ist. Das fehlende Prozent in den natürlichen Inhaltstoffen störte mich auch bald, aber nun folgten ohnehin radikale Schritte: ein Kurzhaarschnitt & ein Sinneswandel. Hatte ich jahrelang jeglichen Rotstich im Schokobraun vermeiden wollen, umso dringender wollte ich nun rote Haare. Seitdem färbe ich nur noch natürlich mit Pflanzenhaarfarbe & Henna. Was ich dabei gelernt habe:

  • Die Farbe von Henna in Pulverform kann mit Rotwein, schwarzem Tee oder Kaffee intensiviert werden.
  • Um den angemischten Pulverhennabrei wirklich gleichmäßig auf den Haaren zu verteilen, braucht man entweder richtig viel Erfahrung & Können, einen Spiegel mit Rundumblick oder helfende Hände.
  • Die Color Creme in der Farbe „Indian Summer“ von Logona gibt meinen ursprünglich dunkelblonden Haaren einen hübschen Rotschimmer – und ist meine Lieblingsfarbe.
  • Mit der Farbe „Teak“ ebenfalls von Logona kriege ich zwar kein Schokoladenbraun hin, aber ein schönes Braun mit etwas Rotstich.
  • Die Farbe „Caca Rouge“ von Lush ist – wie im Katalog beschrieben – ein auffälliges Rot. Ziemlich auffällig, wie ich vergangenen Sonntag selbst feststellen durfte.
  • Wenn die Farbe mehr dunkel als rot werden soll: die Haarfarbe auf dem Kopf unbedeckt lassen, da die dunklen Bestandteile Sauerstoff brauchen, um sich zu entwickeln.
  • Je länger die Farbe einwirkt, desto intensiver der Farbton. Wenn es nur um den roten Schimmer geht, lieber kürzer einwirken lassen und öfter färben.
  • Was ich nicht mehr will: Haarfarben mit Inhaltstoffen wie aromatische Amine, PEG/PEG-Derivate, Resorcin, Formaldehyd oder halogenorganische Verbindungen, die einen chemischen Kleinkrieg auf meinem Kopf veranstalten, im Verdacht stehen, Krebs zu erregen oder die Niere & Leber schädigen können und nicht nur für meine Gesundheit, sondern auch für die Umwelt schädlich sind.
  • Was ich will: gesunde & glänzende Haare. Das machen pflanzliche Haarfarben (ohne tierische Inhaltsstoffe natürlich) – ein naturkosmetisches Zertifikat schadet hier nicht.

PS: Die Haarfarben von Lush sind feste Blöcke aus Henna, Kakaobutter & Ölen.

Kategorie Beauty
Autor

Ich bin Franziska und liebe schöne Dinge. Dazu gehören für mich unbedingt Mode sowie Kosmetik und auch gutes Essen in coolen Restaurants. Aber schön soll es nicht nur für mich sein, sondern auch für andere. Nämlich die Umwelt, Tiere und Menschen. Deshalb: vegan, eco und fair.

6 Kommentare

  1. was ich auch nicht will: haarfarbe oder pflegeprodukte von firmen welche tierversuche durchführen – macht den gang zu den meisten frisören unmöglich.
    aber zum glück gibt es blogs und websites wie deine hier, gestaltet von so lieben und hilfsbereiten menschen, so dass es heutzutage dank des internets, keinerlei problem mehr darstellt, sich zu informieren ;)
    xoxo & tofu
    claudi

  2. Ich hab jetzt schän öffters mit Lush gefärbt, vorher auch mit anderen Henna Produkten z.B. von Logona. Mein Problem ist das ich von Natur aus blond bin, mir die Haare jedoch brünett färbe. Das ist mit Pflanzenhaarfarben nicht ganz einfach, entweder meine blonden Haare nehmen die Farbstoffe fast gar nicht an, oder es wir eben mehr rot als braun. Aber ich werd auch immer mal wieder weiter damit experimentieren :) Vielleicht find ich ja auch irgendwann mal die ideale Mischung!

    LG
    Karmi

    • Franziska

      Noch ein Tipp von Ruth via Facebook: Ich gebe ins natürlich immer heiß angerührte Henna noch ein Schuß Olivenöl, macht das Henna geschmeidiger, es patzt weniger und läßt sich viel leichter auftragen. Und dann kommt Frischhaltefolie um das Ganze und eine Haube oben drauf.

  3. Liebe V-ranziska,
    du bist echt Gold wert! Das ist gerade genau mein Thema und ich hing so richtig schön in der Luft, weil ich meine bisherige Praxis natürlich nicht weiterbetreiben will, daher ein extra Dankeschön an dich für deine Intuition und Initiative. Durch deinen Blog erfahre ich auch gerade, dass es einen Lush-Laden in Freiburg gibt. Und, wie ich sagte: vegan werden ist oft genug auch Fleißarbeit, Anfragen starten, Laborergebnisse abwarten und so.
    Ich schau auf der Liste nach, wo es in Freiburg veganen Cappuccino gibt, falls du nach „Green City“ kommst, fühl dich dazu schon mal herzlich eingeladen.

    Amina und Paul, der von Natur aus rot-ringelblumenorange-goldene Kater*, wünschen euch allen noch einen schönen Sonntag <3

    *
    "Frag doch auch mal wegen Tierfutter und so", meint Paul noch, was ich als gehorsame Besitzerin (OOBP – Originally Owned By Paul) hiermit natürlich brav und umgehend tue.

  4. Ergänzend zu meiner Anregung von oben (danke, Franziska, fürs Übernehmen) muß ich noch ein wenig von meiner jahrelangen Henna-Erfahrung erzählen. Henna nie (!!) ohne Gummihandschuhe auftragen. Die ganze Prozedur läuft bei mir sehr unorthodox ab: indem ich jeweils eine handvoll Henna auf die trockenen Haare gebe und es dann einmassiere. Unbedingt ein altes Handtuch auf die Schulter oder einen alten Bademantel dabei anziehen!
    Ich verwende pures No-Name-Henna aus der „Gewußt wie“ Drogerie (eine österreichische Kette), es deckt auch die ersten weißen Haare perfekt ab, muß aber dann ca. sechs Stunden einwirken und vor allem durch eine Haube oder Tuch warm gehalten werden. Meine Haare haben dadurch einen dunklen satten Rotton.
    Laut meiner Friseurin lassen sich weiße Haar am besten dunkel umfärben, indem zuerst rotes und in einem zweiten Arbeitsgang schwarzes Henna aufgetragen wird. Meine Kollegin Petra hat auch gute Erfahrungen mit Khadi – Pflanzenhaarfarbe gemacht, ihren Erfahrungsbericht findet ihr hier: http://www.animalfair.at/blog/?p=7183.
    Übrigens, Franziska, Dein Blog ist wirklich großartig und sehr informativ!
    LG aus Wien
    Ruth

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