Konstanz // Im Gespräch mit Susan Rößner, der Gründerin des plastikfreien Online Shops monomeer

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Seit ich in Konstanz wohne, zeige ich von meinem Leben hier vor allem eins: den See. Dabei hat die Stadt* über den schönen Blick auf den blauen Bodensee und Spazierwege in malerischer Umgebung hinaus viel (in Sachen Nachhaltigkeit) zu bieten.

Erst vor ein paar Wochen war in den Nachrichten aus Konstanz zu hören und zwar als die erste Stadt in Deutschland, die den Klimanotstand ausgerufen hat. Damit hat der Gemeinderat die Eindämmung der Klimakrise zur Aufgabe mit höchster Priorität erklärt. Zu verdanken ist das der „Fridays für Future“-Bewegung, die auch hier jede Woche – kürzlich sogar grenzübergreifend zwischen Konstanz und Kreuzlingen in der Schweiz – streikt.

Aber nicht nur Schüler*innen demonstrieren regelmäßig für den Klimaschutz, jede Menge Menschen setzen sich neben oder in ihren Berufen für die Umwelt und deren Schutz ein. Dazu gehört auch Susan Rößner, die hier vor fünf Jahren den Online Shop monomeer gegründet hat.

Ich war ganz schön erstaunt, als ich erfahren habe, dass der große – wenn nicht sogar größte – Online Shop für plastikfreie Produkte seinen Sitz hier in Konstanz hat. Erzählt hat mir das Nina von den Fashion Changers als ich gerade Berlin gegen den Bodensee getauscht hatte. Bis ich Susan dann tatsächlich kennengelernt habe, hat es leider noch etwas gedauert. Erst kürzlich haben Nora und ich für die Fotos in diesem Artikel das Lager und Büro von monomeer im Industriegebiet besucht und einige Tage später habe ich Susan zum Gespräch in einem Café getroffen.

Die Entstehung von monomeer

Gegründet hat Susan ihren Online Shop 2014. Damals war die öffentliche Debatte um Plastik und das gesellschaftliche Interesse an Zero Waste noch einige Schritte vom heutigen Stand entfernt. Begonnen hat die Geschichte von monomeer – wie bei so vielen anderen Unternehmen – mit Eigenbedarf. Als Susan entschied, kein neues Plastik mehr zu kaufen, war das Finden von plastikfreien Produkten gar nicht so einfach. Wenn sie dann die passenden Produkte endlich gefunden hatte, musste sie diese in unterschiedlichen Online Shops oder diversen Läden bestellen und kaufen. Kurzum: es war sehr aufwändig, nicht alltagstauglich und so gar nicht praktisch.

Ein Online Shop für Produkte, in denen kein Plastik steckt und die ohne Plastik verpackt sind

Und so hat Susan ihren eigenen Online Shop gegründet: als One-Stop-Shop für plastikfreies Einkaufen, in dem sie eine Produktauswahl für die Küche und den Haushalt über Büro bis hin zu Kosmetik kuratiert. Ihr Ziel: ihren Kund*innen dabei zu helfen, Zeit, Geld, Laufwege und Recherche zu sparen.

Besonders stolz ist Susan auf ihre Produktbeschreibungen. Diese machen nicht nur das Produkt transparent in Material, Verpackung und Herkunft, sondern geben auch eine ehrliche Einschätzung seiner Qualität. Damit stellt sie möglichst alle relevanten Informationen zur Verfügung, um eine sinnvolle Kaufentscheidung treffen zu können. Und genau darum geht es der Shopinhaberin: der Umgang auf Augenhöhe mit ihren Kund*innen.

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Sein eigenes und dazu noch sinnvolles Ding nach den eigenen Regeln machen? Klingt gut, oder? Susan macht genau das.

Es klingt so simpel und entspannt, wenn Susan von ihrem Unternehmen spricht. Gestartet hat sie monomeer damals aus ihrer Wohnung heraus, die gleichzeitig als Warenlager diente. Eingeschätzt hat sie ihr Risiko immer als sehr gering und zudem positiv: „Sollte es schief gehen, habe ich bis zu meinem Lebensende einen Vorrat an plastikfreien Klobürsten und vielen anderen Produkten im Haus.“

Der Online Shop ist ganz organisch gewachsen, während Susan anfangs noch in Festanstellung war, die sie über die Zeit immer weiter reduziert hat. Als die Wohnung irgendwann zu klein als Unternehmenssitz wurde, zog sie mit ihrem Lager ins Industriegebiet. Inzwischen arbeitet Susan ganz für monomeer und ist zudem Mitinhaberin von Silo, einem im Mai neu eröffneten Unverpackt Laden mit Zero Waste Café an der Oberen Laube.

Wie man einen Online Shop zum Erfolg führt: sich selbst treu bleiben.

Herrlich erfrischend finde ich, wie Susan ihren Weg ganz unaufgeregt und fernab aller gängigen Online-Regeln gegangen ist. Für monomeer nutzt sie nämlich weder Facebook noch Instagram, dafür einen Newsletter, ein unregelmäßig bespieltes (sagt sie selbst) Profil bei Pinterest und ein Account bei Diaspora, einem alternativen sozialen Netzwerk. Auch SEO steht bei ihren Produktbeschreibungen nicht im Vordergrund, sondern der Nutzen der Texte für ihre Kund*innen.

Ihre bisherigen Kooperationen mit Blogger*innen hält sie für eine sehr authentische Form von Werbung und dank einiger redaktioneller Beiträge in auflagenstarken Medien hat sie über die Jahre für monomeer viel Reichweite und Sichtbarkeit erreichen können. Nicht unerwähnt darf allerdings bleiben, dass zwar monomeer oder Susan nicht auf Facebook unterwegs sind, dort in Gruppen rund um Plastikfrei oder Zero Waste dennoch direkt mitten in der Zielgruppe über den Online Shop gesprochen wird. Auch ich habe zum Beispiel in einer Konstanzer Nachhaltigkeitsgruppe von den verkaufsoffenen Samstagen gehört, bei denen monomeer einmal im Monat die Türen zum Lager öffnet und man dort direkt einkaufen (und die Produkte anfassen und begutachten) kann.

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Ich finde es immer wieder sehr inspirierend zu sehen, wenn Menschen ihr Unternehmen getreu der eigenen Werte und Regeln führen. Susan beschreibt sich selbst als Mensch mit starken Prinzipien, sogar als ein wenig prinzipienreiterisch. Wie zum Beispiel im Bezug auf Facebook oder Instagram, deren Geschäftsmodell sie privat ablehnt und beruflich ebenfalls nicht einsetzen möchte. Auch bei der Auswahl der Produkte für den Shop hat sie feste Grundsätze, so kommen zum Beispiel keine Waren, die in China gefertigt werden, ins Sortiment. Diese würde sie für sich selbst nicht einkaufen, also landen sie auch nicht im eigenen Shop.

Aus ihrem Umfeld hat Susan deshalb schon des Öfteren gehört, sie würde die Dinge zu eng sehen. Für sie allerdings bedeuten ihre Prinzipien auch eine Form von unternehmerischer Freiheit: denn was sonst ist der Sinn, wenn man mit dem eigenen Shop die Dinge nicht nach eigenem Gusto tun oder lassen kann?! Und für sie gehört ihre „Prinzipienreiterei“ fest zur entspannten Führung ihres Unternehmens: je mehr Prinzipien sie hat, desto weniger Entscheidungen muss sie tagtäglich treffen. Hat sie einmal eine Sache durchdacht, muss sie sich in Zukunft nicht mehr damit aufhalten. In gewisser Weise ist das auch Minimalismus, sagt sie.

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Ihre unternehmerische Freiheit: keine Dinge tun, die gegen die eigenen Prinzipien verstoßen.

Mir gefällt die Art von Wirtschaften und Arbeiten, die Susan mit monomeer vorlebt. Unabhängig sein – oder vielmehr – sich unabhängig machen von den vermeintlich gängigen Regeln und Wertvorstellungen. Geld verdienen heißt für sie nicht unbedingt reich zu werden, aber ein gutes Leben führen zu können. Sie sagt, wir müssen davon weg kommen, nur in Profit zu denken und uns eher selbst zu fragen: Habe ich genug? Denn genug ist meist schon weniger als wir eigentlich denken.

Und hier noch ein paar leicht umzusetzende Tipps von Susan für einen plastikärmeren Alltag:

Getränke wie Saft oder Milch in Pfandflaschen und Joghurt in Pfandgläsern kaufen. Ein Erfolgserlebnis ist hier schnell sichtbar, wenn der Gelbe Sack dank fehlender Tetra Paks gleich viel weniger voll ist.

Pflanzen- oder Nussmilch sowie veganes Joghurt gibt es (bisher) leider nirgends in Glas verpackt zu kaufen, aber zum Beispiel Mandelmilch kann man easy peasy selbst machen. Für alle, die in Konstanz und Region wohnen: Silo macht nicht nur Nuss- und Pflanzenmilch für das Café selbst, man kann sie dort ins eigene Gefäß füllen lassen und für Zuhause mitnehmen.

Auf dem Wochenmarkt einkaufen: Hier gibt es regionales Obst und Gemüse, frische Kräuter, Blumen sowie Nudeln, Trockenfrüchte, Antipasti – alles kann in mitgebrachte Beutel und Behälter gepackt werden.

Statt flüssigem Duschgel und Shampoo feste Seife für den Körper und Haare benutzen. Damit spart man im Badezimmer jede Menge Verpackungsmüll.

Einkaufen einmal neu lernen: Oftmals fühlt sich das Ändern einer Gewohnheit sehr nach Verlassen der Komfortzone an, weil man die gewohnten Bahnen verlassen und die Lernzone betreten muss. Dabei braucht man für diesen Schritt eigentlich nur Neugier, eine neue Sichtweise auf die Dinge und sicherlich eine andere Planung. Und ganz wichtig: man kann dabei ganz entspannt bleiben, denn perfekt muss (und kann) dabei niemand jemals sein.

Online Shop: monomeer.de // Hier werden auch die Termine für die verkaufsoffenen Samstage kommuniziert

Susan über monomeer und ihr Vortrag bei TEDxBodensee

Gut zu wissen: Für Bestellungen innerhalb von Konstanz fallen keine Versandkosten an und werden mit dem Fahrrad ausgeliefert. Zudem können sie auch selbst abgeholt werden – entweder bei monomeer im Industriegebiet oder bei Silo an der Oberen Laube.

Silo, der neue Unverpackt Laden mit Café, den Susan zusammen mit drei weiteren Gründer*innen eröffnet hat

 

*Konstanz hat über 86.000 Einwohner*innen, 15 Stadtteile (einer davon heißt Paradies), zwei Hochschulen (beide mit Blick auf Wasser) und ist die größte Stadt am Bodensee (der ist wiederum der größte See in Deutschland und grenzt an Schweiz und Österreich).

Ich freue mich sehr über die Zusammenarbeit mit Marketing & Tourismus Konstanz GmbH im „Jahr der Natur“. Innerhalb dieser Kooperation werde ich in den kommenden Wochen und Monaten noch weitere Artikel über Nachhaltigkeit in Konstanz veröffentlichen.

 

Fotos: Nora Dal Cero für Veggie Love

Kategorie Less Waste, Werbung
Franziska
Autor

Ich bin Franziska und liebe schöne Dinge. Dazu gehören für mich unbedingt Mode sowie Kosmetik und auch gutes Essen in coolen Restaurants. Aber schön soll es nicht nur für mich sein, sondern auch für andere. Nämlich die Umwelt, Tiere und Menschen. Deshalb: vegan, eco und fair.

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