Sustainable Sunday: News rund um nachhaltige Mode

Nachhaltige Vegane Mode I Veggie Love

In der Welt der fairen und nachhaltigen Mode haben sich in den vergangenen Wochen kleine und große Dinge ereignet. Die spannendsten Neuigkeiten und Neuheiten habe ich für dich zusammen gestellt.

 

Sydney Brown Stilettos Vegan Biodegradable

Für die Biotonne

Das amerikanische Schuhlabel Sydney Brown wurde mit der Überzeugung gegründet, dass Luxusmode auch auf eine umweltverträgliche Weise hergestellt werden kann. Aber nicht nur das: bei der Produktion wird auf faire Arbeitsbedingungen geachtet und es kommt keinerlei tierisches Material zum Einsatz. Was dafür verwendet wird: Holz, Kork oder Fenchel (dünn geschnitten und gepresst) gepaart mit Biobaumwolle, was ein wasserfestes und äußerst strapazierfähiges Material ergibt. Gerade arbeitet die Designerin mit einem Weingut zusammen und experimentiert mit Trauben sowie Beeren für das Einfärben von Material.

Eine Neuentwicklung für die Kollektion Herbst & Winter 2018 sind Riemchensandaletten, die kompostierbar sein sollen (erhältlich ab Juni/Juli). Natalie Portman hat bei einem Auftritt in der Show „Saturday Night Live“ bereits einen Prototypen getragen. Für den hohen und schmalen Absatz hat Brown ein Material aus Holz und dem Harz des amerikanischen Amberbaums entwickelt. Zur Verstärkung kommt in dessen Inneres (statt Plastik) ein Stahlstab – dann wahrscheinlich das einzige Teil, das nicht natürlich abbaubar ist. // Gefunden über i-D

 

Glueless Stella McCartney The Loop Sneakers Vegan

Glueless

Noch mal Schuhe: Stella McCartney hat Sneakers für Herren ohne Kleber entworfen, die ebenfalls biologisch abbaubar sein sollen. Mehrere Jahre hat die britische Tierschützerin und Designerin an der Entwicklung der „glueless“ Sneakers gearbeitet, denn für Schuhe wird üblicherweise ein Klebstoff aus Knochen und Knorpeln von Tieren und Fischen hergestellt. Das Modell „The Loop“ ist derzeit in Weiß, Schwarz und Bunt erhältlich. // Entdeckt über Who What Wear

 

Malai Kokoswasser wird Leder

Vom Trendgetränk zur Materialinnovation

In den letzten Jahren hat sich wahnsinnig viel bei der Entwicklung von innovativem, nachhaltigem und veganem Material getan, das wie genau Leder für Schuhe, Taschen, Jacken und sogar Möbel verwendet werden kann. So gibt es bereits lederartiges Material aus Ananasblättern, Äpfeln, Teakblättern, Pilzen und nun auch aus Kokoswasser.

Wie die Ananasblätter würde auch das Kokoswasser (nach der Ernte und dem Entfernen des Fruchtfleisches) ungenutzt entsorgt werden. Der Saft der Kokosnuss wird statt dessen gesammelt und in einem speziellen Prozess fermentiert, nach etwa 14 Tagen erhält man eine geleeartige Zellulose. Nach der Zugabe von Harzen und natürlichen Fasern wird das Material getrocknet und gepresst. In Tschechien wird Malai bereits von einem Modelabel getestet, es hat damit den Prototypen für ein Portemonnaie hergestellt. // Gesehen bei Live Kindly

 

Nudie Jeans Hightop Tilde Vegan Organic

Nudie Jeans endlich vegan

Nudie Jeans gehört definitiv zu den coolen Kids unter den nachhaltigen Marken für Jeans. Neben den guten Styles ist das schwedische Denim Label auch für seinen Reparaturservice bekannt: jede Jeans wird geflickt, auch die ganz harten Fälle.

Andere Jeanshersteller wie Kings of Indigo und Kuyichi liebäugelten für einige Modelle oder einzelne Kollektionen bereits mit Patches aus Jacron (ein Material aus reißfestem Papier), während Nudie sich lange und vehement wehrte, die Lederpatches zu ersetzen. Nun haben offenbar genug Menschen bei Nudie nach einer Alternative gefragt und auch der Zeitgeist spricht schon lange für eine nachhaltige und tierfreundliche Alternative. Nun gibt es das erste Modell mit einem veganen Patch: Hightop Tilde. Das ist übrigens erst der Anfang, mit der Zeit sollen alle Modelle ein veganes Patch bekommen.

Und mal ganz ehrlich: während für die sehr viele Menschen ein Patch aus Leder nicht DAS Kaufargument für eine Jeans ist (oder sie nicht mal drauf achten), ist es für eine ständig wachsende Anzahl von Kunden ein Grund, nach einer anderen Jeans zu greifen. Auch wenn die Mehrzahl der Menschen vielleicht nicht nach einer veganen Jeans suchen mag, schliesst sie dennoch niemanden aus.

 

Bayou with love Dell Gold Motherboards Jewelry

Technik, die Gold wert ist

In Geräten wie Computer, Handys sowie Smartphones und Fernseher stecken wertvolle Rohstoffe wie Kupfer, Silber und Gold. In einem einzelnen Telefon oder Laptop ist der Anteil fast verschwindend klein, denkt man aber an die 44,7 Millionen Tonnen Elektroschrott, die 2016 weltweit (in Deutschland 1,9 Millionen Tonnen) angefallen sind, sieht die Menge der Edelmetalle schon ganz anders aus. Offiziell gesammelt und recycelt werden davon allerdings nur erschreckende 20 Prozent.

In den USA hat sich nun der Computerhersteller Dell mit Bayou with Love zusammen getan, um ein Teil des Goldes, das aus alten Prozessoren gewonnen wird, in Schmuck zu verwandeln. Bisher gibt es Ringe, Ohrringe und Manschettenknöpfe.

Bayou ist übrigens das Label, das die Schauspielerin Nikki Reed gemeinsam mit Morgan Bogle vom veganen Handtaschenlabel „Freedom of Animals“ (gibt es leider nicht mehr) gegründet hat.

 

The very good bra: No wires, no toxins, no waste

Nach einer Krebserkrankung suchte die Australierin Stephanie Devine lange nach einem BH ohne Bügel, der gleichzeitig aus ungiftigem Material genäht sein sollte. Und wie das immer so ist: man sucht etwas Bestimmtes, findet es nicht und beschliesst dann, es selbst zu machen. So auch Stephanie. Noch bis 17. Juni läuft das Crowdfunding für The very good bra, der in 24 Größen erhältlich ist. Das Finanzierungsziel wurde längst erreicht – die Australierin steht mit ihrem Wunsch nach einem rundum guten BH also nicht alleine da (passende Höschen gibt es auch dazu).

Hergestellt wird der gute BH aus Tencel, er hat keinerlei Bügel und zudem kann er nach Gebrauch (= jahrelangem Tragen) theoretisch einfach im Garten vergraben werden. Im Durchschnitt besitzt nämlich jede Frau neun BHs, mit 2 Billionen Frauen weltweit sind das 15 Billionen BHs, die früher oder später auf der Müllhalde landen. Diesen Unmengen an Müll will Stephanie Devine mit ihrer Entwicklung entgegen wirken. // Über Sophie Hellyer entdeckt

 

Copenhagen Fashion Summit Stella McCartney

Modekonferenz auf der heimischen Couch

Im Mai fand im schönen Kopenhagen die alljährliche Fashion Summit rund um nachhaltige Mode statt. Für alle Daheimgebliebenen sind die Talks und Panels hier zum Anschauen verfügbar. Auch wenn ich schon wirklich viele Diskussionen und Gespräche mit Stella McCartney gehört und gesehen habe, auf der diesjährigen Konferenz spricht sie in diesem Interview mit Graydon Carter über ihre Laufbahn und auch darüber, dass es bisweilen ganz schön anstrengend ist, als Pionierin voran zu gehen und Veränderungen voranzutreiben.

Lesenswert sind auch diese beiden Artikel der britischen Vogue zur Summit: Why sustainable fashion needs more voices und Why we need to talk about transparency in fashion.

 

The Wearness Guya Merkle Jennifer Dixon Julia Zirpel

Neue Plattform für nachhaltige Mode

„Wenn man über Luxus redet, muss man auch über Nachhaltigkeit reden“, sagte Julia Zirpel in einem Artikel der Vogue und ich kann ihr nur zustimmen. Die beiden ehemaligen Moderedakteurinnen Julia Zirpel und Jennifer Dixon haben gemeinsam mit Guya Merkle (vom nachhaltigen Luxusschmucklabel Vieri) einen Online-Markplatz für nachhaltigen Luxus gegründet. Bei The Wearness findet man Kleidung, Accessoires und Schmuck für Damen und Herren. Ich bin Fan!

 

Franziska Schmid Veggie Love Fotocredit Frederik Ferschke

Back to school

Für alle, die (noch) mehr über nachhaltige Mode lernen wollen, hat Future Learn ein tolles Angebot: am 25. Juni startet der dreiwöchige Kurs Who made my clothes?, in dem die Teilnehmer*innen für vier Stunden die Woche tief in die Welt der fairen Mode eintauchen. Der Kurs ist kostenlos, ein kostenpflichtiges Upgrade mit zeitlich unbeschränktem Zugriff auf den Kurs sowie auf alle dazu gehörigen Unterrichtsmaterialien ist ebenfalls verfügbar. See you in class!

 

hm Store Kazakhstan Pressebild

Immer Ärger mit H&M

Die Quartalszahlen von März bescheinigen dem Textilriesen den niedrigsten Gewinn seit mehr als zehn Jahren. In der Süddeutschen ist zu lesen, wie H&M versucht, diesen Abwärtstrend aufzuhalten (auch der Fokus auf mehr Nachhaltigkeit half bisher nichts). Fakt ist: H&M hat eine riesige Menge an unverkaufter Ware im Lager liegen. Dazu gab es bereits massiven Aufruhr als im vergangenen Jahr aufgedeckt wurde, dass H&M unverkaufte Kleidung verbrennen lässt. Abhilfe schafft das Unternehmen nun offenbar mit seinem neuen Projekt Afound. Dahinter steckt ein Outlet, in dem die Ware von H&M selbst sowie anderen Marken aus dem Konzern zu sehr günstigen Preisen zu haben sein wird. Mitte Juni startet Afound mit zwei Läden sowie online.

Die Herstellungsbedingungen in der Fashion Fashion stehen (zum Glück) schon lange in der Kritik, ganz aktuell sind die Vorwürfe von Gewalt gegenüber Frauen (die ja den größten Teil der Textilarbeiter*innen ausmachen) bei einem Zulieferer von H&M.

Auf dem Blog von LOVECO erschien gerade ein Artikel zu Greenwashing und wie man es erkennt, dort ist (natürlich) auch was zum schwedischen Textilhersteller zu lesen.

 

Myrka Studios prePeek Fashion Changers Ethical Fashion Show Green Showroom I Veggie Love

Doppelt neu hält besser

Die Fashion Week in Berlin steht vor der Tür und in der ersten Woche im Juli wird die Hauptstadt wieder zum Zentrum der (nachhaltigen) Mode. Fair Fashion Labels zeigen ihre neuen Kollektionen auf der Seek, Premium, Panorama oder auf Messen, die sich ganz der Nachhaltigkeit verschrieben haben, wie dem Greenshowroom oder der Ethical Fashion Show.

Diese Saison bleibt noch alles beim Alten, für Januar 2019 hat die Messe Frankfurt (die Veranstalterin des nachhaltigen Messeduos) schon eine große Änderung angekündigt: Aus Greenshowroom und Ethical Fashion Show wird Neonyt. Dieser Kunstbegriff ist erst mal erklärungsbedürftig („Neo“ aus dem Altgriechischen und „Nytt“ aus dem Schwedischen, beides bedeutet „Neu“) und geht zumindest ein wenig leichter von der Zunge als die bisherigen langen Messenamen. Der Fokus des fusionierten Formats soll zukünftig neben der Nachhaltigkeit verstärkt auf Technologie und Innovation liegen. Ich bin gespannt.

 

Fotos: Titelbild Nora Dal Cero für Veggie Love / Sydney Brown / Stella McCartney / Malai / Nudie Jeans / Bayou with Love / The very good bra / Copenhagen Fashion Summit / The Wearness / Frederik Ferschke für Veggie Love / H&M Newsroom / Melanie Hauke von nXm für Veggie Love

Kategorie Fashion
Autor

Ich bin Franziska und liebe schöne Dinge. Dazu gehören für mich unbedingt Mode sowie Kosmetik und auch gutes Essen in coolen Restaurants. Aber schön soll es nicht nur für mich sein, sondern auch für andere. Nämlich die Umwelt, Tiere und Menschen. Deshalb: vegan, eco und fair.

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