Raw Food = Kindergarten Paste?

Wer “Sex and the City” kennt, erinnert sich sicher an die Episode im Restaurant „Raw“. Carrie & ihre drei Freundinnen gehen ein neues & sehr angesagtes Gourmet-Rohkost-Restaurant und alle sind leicht irritiert vom Essen. Sehr schön ist Miranda’s Satz, den sie danach Pizza essend zu Carrie im Bezug auf deren Beziehungssituation sagt: „From now on, people should tell it like it is. First time sex, tricky. Non dairy vegan ravioli, kindergarten paste.“

Sich von Rohkost zu ernähren ist für mich die Königsdisziplin des Veganismus und hat mich schon immer brennend interessiert. Ich freue mich sehr, dass Hanna vom Blog „vegan&roh“ all meine Fragen rund um ihre Ernährungsweise beantwortet hat. Und mit Knetmasse hat diese nun wirklich so gar nichts zu tun.

  • Ich kam vom langjährigen Vegetarismus zum Veganismus. Wie kam bei Dir die Entwicklung hin zur Rohköstlerin?

Schon als ich vegan war, habe ich mich immer für gesunde Ernährung interessiert und zum Beispiel schon einige längere Phasen ohne raffinierten Zucker gehabt, viel Obst und Gemüse gegessen. Trotz der allgemeinen Befürchtung unter Fleischessern man würde mit veganer Ernährung abmagern, habe ich im Laufe der Zeit einige Kilos zugelegt und ich fühlte mich von innen und von außen nicht mehr wohl. Deswegen wollte ich im Frühjahr fasten, um den Körper von innen zu reinigen und dann mit gesunder Ernährung weitermachen. Dabei war das Ziel nicht die Gewichtsreduktion (Fasten ist eben nicht als Diät anzusehen), sondern einfach wieder ein „sauberes“ Körpergefühl zu bekommen. Das Gewicht, dachte ich, pendelt sich dann langfristig über die gesündere Ernährung ein. Ich bin nämlich ein absoluter Diät-Gegner und Hungern ist sowieso das Schlechteste, was man machen kann. Eine Ernährungsumstellung ist langfristig das einzig Wahre. Da ich sehr gerne Sport betreibe und das ja während der Fastenphase nur eingeschränkt möglich ist, habe ich nach etwas gesucht, das sich damit vereinbaren lässt. Und so kam ich zur Rohkost. Am Anfang dachte ich recht planlos – ich esse 2 Wochen einfach nur „rohes Obst und Gemüse“, aber ich hatte bis dahin keine Ahnung, welche Auswirkungen diese Entscheidung für mein Bewusstsein und meinen Körper bedeutet.

  • Als Du anfangen hast, Dich für Rohkost zu interessieren, wo und wie hast Du Dich informiert?

Wie schon erwähnt habe ich ursprünglich recht planlos gedacht: ich esse einfach drauf los – sind ja nur 2 Wochen. Aber wer mich kennt weiß, dass das, was ich mache Hand und Fuß hat und somit habe ich angefangen, mich in das Thema Rohkost einzulesen. Am Anfang viel im Internet, doch dann hatte ich die Chance mir das Buch „Auf den Spuren der Methusalem-Ernährung“ von Henning Müller-Burzler auszuleihen, was ich natürlich auch tat. Das kostenlose E-Book „Schleimfreie Heilkost“ von Arnold Ehret habe ich ebenfalls gelesen. Zu der Zeit verfolgte ich dann auch einige Rohkost-Blogs – die auch in meiner Rohkost-Linksammlung gelistet sind. Ein weiteres Buch über Rohkost (das ich gerade lese) ist „Willst du gesund sein? Vergiß den Kochtopf!“ von Helmut Wandmaker. Je mehr ich über Rohkost gelesen habe, desto mehr Begeisterung kam auf, denn es ist eigentlich schon recht logisch nachvollziehbar und wird mit einer Menge positiver „Nebeneffekte“ begleitet.

  • Wie kann ich mir Deinen Weg zur Rohkost vorstellen? Ging das Schritt für Schritt oder hast Du von einem Tag auf den anderen umgestellt?

Bevor es an die „2 Wochen“ ging, mit denen ja alles begann, gab es ungefähr eine Woche Übergang. Ich habe angefangen, jeden Morgen meinen grünen Smoothie zu trinken und überwiegend roh zu essen, allerdings waren auch nicht rohe Sachen wie Linsen, Kichererbsen, Kartoffeln auf dem Speiseplan gestanden. Raffinierten Zucker und Weißmehl dagegen habe ich komplett gestrichen. Das mit dem Zucker ist echt so eine Sache – nein, es ist eine Sucht. Die ersten zwei, drei Tage sind können echt hart sein, da man die aufkeimenden Gelüste schon manchmal stark übergehen muss, aber danach ist es überhaupt nicht mehr schwer. WENN man im Kopf dazu bereit ist. Ich vergleiche das immer ein bisschen mit der veganen Einstellung. Die fängt ja auch meist im Kopf an. Bei mir damals von einem Tag auf den anderen – es hat einfach Klick gemacht. Und so ist es mit Zucker/Weißmehl/Kochkost auch. Wenn man es im Kopf verstanden hat und nach einigen Tagen die „körperliche Sucht“ (bei Zucker) überwunden ist, dann ist es gar nicht mehr schwer, denn man WILL das ja nicht mehr essen und seinem Darm damit schaden.

  • Welche Veränderungen haben sich dadurch für Dich ergeben?

Wenn ich heute bedenke, welche Mengen ich bis vor kurzem noch gegessen hab, wird mir ganz anders. Zum Beispiel: Morgens gab’s erst mal ein riesiges Müsli mit Obst. Mittags in der Kantine ordentlich Gemüse mit meist Bratkartoffeln, oft noch einen Salat dazu. Als Nachspeise noch mal Obst. Abends dann „richtig“ gekocht oder auch nur ein Salat, aber mengenmäßig sehr viel. Man isst beziehungsweise ich habe halt immer gegessen, wenn es „Essenszeit“ war. Also morgens braucht man ja ein Frühstück. Mittags in der Kantine, weil eben alle essen. Und abends kann man ja auch nicht nix essen. Dadurch habe ich oft gegessen, obwohl ich überhaupt keinen Hunger hatte. Das sehe ich mittlerweile auch als großes gesellschaftliches „Problem“ an – also ich denke, dass viele Leute aus anderen Gründen essen als Hunger beziehungsweise viele schon gar kein richtiges Hungergefühl mehr kennen. Mittlerweile komme ich mit viel weniger aus, denn mein Körper kann das, was ich esse optimal aufnehmen und verdauen. Klar esse ich auch heute oft einen riesen Salat, aber dann eben als Tageshauptmahlzeit. Eine sehr wichtige Information finde ich auch die Nahrungsmittelkombinationen. Jetzt weiß ich auch warum ich mich oft so voll gefühlt hab, obwohl ich nur (gekochtes) Gemüse/Kartoffeln und als Nachspeise Obst gegessen habe – wie ich dachte ja sehr gesund. Obst sollte man aber entweder auf nüchternen Magen essen oder eine halbe Stunde vor dem Essen. Es hat eine viel geringere Verdauungszeit und wenn dieses dann auf das langsam verdaubare Gemüse (jetzt nur als Beispiel) stößt, dann kommt es zu (Fehl-)Gärungen im Magen/Darm und Blähbauch oder Völlegefühl.

Und nun zu meinen positiven Veränderungen:

  • Gewicht: Natürlich habe ich auch abgenommen – eine positive Begleiterscheinung. Ich fühle mich aber endlich wieder wohl in meinem Körper. Von innen und von außen.
  • Schlaf: Eine weitere positive Veränderung ist, dass ich weniger Schlaf brauche, beziehungsweise gleich müde bin bei viel weniger Schlaf.
  • Haut: Meine Haut ist klarer/feiner und Pickel (auch zyklusbedingte) sind mittlerweile ein Fremdwort für mich. Dieses „Glänzen“ im Gesicht, das man im Laufe des Tages bekommt ist viel weniger bis ganz weg. Des Weiteren habe ich das Gefühl, dass ich schneller braun werde dieses Jahr und weniger anfällig für Sonnenbrand. Das habe ich aber jetzt noch nicht nachgeforscht, das ist einfach so eine Beobachtung von mir.
  • Nase/“Sandmännchen“: Meine Nase ist morgens nie mehr zu und auch der Schlaf in den Augen – allgemein bekannt als das „Sandmännchen“ – ist nicht mehr da.Das soll ja mit Getreide beziehungsweise allgemeiner Verschleimung zusammenhängen. Siehe auch den Artikel über „Schleimfreie Heilkost“ von Arnold Ehret.
  • Allgemein: Im Allgemeinen fühle ich mich einfach leichter – durch die nicht mehr stattfindende Verdauungsleukozytose, die ja allgemein als Tief nach dem Essen bekannt ist.

Gesellschaftlich ist es natürlich schon eine Umstellung beziehungsweise manchmal nicht ganz so einfach, aber da ist es mal wieder ähnlich der veganen Lebensweise – Probleme sind da, wo man (sich) welche macht und meistens haben die lieben Mitmenschen ein viel größeres Problem als man selbst. Bisher stand noch keine große Familienfeier an, das wird dann noch mal eine Herausforderung. In der Kantine mittags esse ich entweder Salat, bringe mir selbst was mit, oder (was meistens der Fall ist) esse nichts, weil ich von meinem grünen Vormittags-Smoothie noch satt bin. Da ich mir angewöhnt habe nur noch zu essen, wenn ich Hunger habe und nicht, wenn andere essen oder es eigentlich Essenszeit ist, klappt das auch wunderbar und mittlerweile werde ich auch nicht mehr blöd angequatscht, weil ich nur mit einem Glas Wasser bei den Kollegen sitze.

  • Immer wieder lese ich von der 80-20-Regel. 80% Rohkost, 20% „normal“ vegan. Was hältst Du davon und wie handhabst Du das normalerweise?

Um ehrlich zu sein, diese Regel ist mir noch nicht untergekommen. Im Prinzip ist jeder Schritt in Richtung mehr Rohkost gut. Es kommt natürlich immer darauf an, was dann diese 20% „normal“ sind. Sind es Süßigkeiten mit Zucker oder sind es Kartoffeln oder Hülsenfrüchte? Ich denke, man sollte sich selbst keine Religion aus der Rohkost machen – ich persönlich mache das nicht. Wenn ich jetzt wirklich Lust hätte beziehungsweise habe, dann esse ich das auch (vegan natürlich vorausgesetzt). Allerdings bin ich mittlerweile im Kopf so weit, dass ich das eigentlich gar nicht mehr so wirklich essen will. Dazu kommt auch, dass ich ziemlich schnell merke, wenn ich etwas nicht Rohes esse. Zum Beispiel habe ich im Urlaub vegane Pizza gegessen und am nächsten Morgen gleich mal einen Blähbauch gehabt & Nase zu & Schlaf in den Augen.

  • Was würdest Du mir raten, wenn ich mich auch vorwiegend roh ernähren möchte?

Je nach vorheriger Ernährung kommt es zu mehr oder weniger Entgiftungserscheinungen. Bei momentan ungesunder Ernährung würde ich vorschlagen, erst mal eine Mahlzeit durch Rohkost auszutauschen. Zum Beispiel morgens grüne Smoothies oder nur Obst – oder abends einen großen Salat. Dann kann man das ganze Etappenweise steigern, bis man sein gewünschtes „Level“ erreicht hat. Jeder muss schauen, wie er damit zurecht kommt. Ich persönlich bin ja vom Typ her so, dass es mir einfacher fällt etwas komplett zu lassen als nur teilweise. Deswegen habe ich auch relativ zügig umgestellt.

  • GreenStar Saftpresse, Vitamix Mixer, Dörrapparat – welche Küchenmaschinen sind wirklich notwendig und auf welche kann man auch verzichten?

Meine erste Anschaffung in meiner Übergangswoche, also noch vor meinem Start, war der Vitamix. Lange habe ich mich informiert, welcher Mixer es denn werden soll und habe mich dann aufgrund der gesammelten Fakten für den Vitamix entschieden. Ich muss sagen – es ist Liebe und ich will ihn nicht mehr missen. Nein wirklich, ich bin restlos begeistert und er ist eigentlich mindestens einmal täglich im Einsatz – meist öfters. Nicht nur die (grünen) Smoothies werden richtig cremig, nein auch Suppen, Cremes, Pasten, Nussmuse, Eis und noch vieles mehr. Zum Thema Entsafter kann ich Folgendes sagen: Ich habe momentan zum Test die Greenstar Elite Saftpresse zuhause. Das ist ja schon ein Topmodell, das sich sowohl in Preis, aber auch Leistung widerspiegelt. Ich finde sie macht tollen Saft, allerdings für den Preis mache ich mir – glaube ich – auf Dauer zu wenig Saft, als dass sie sich rentiert. Denn der Reinigungsaufwand ist (im Gegensatz zum Vitamix) ja schon etwas größer. Dörrautomaten sind weit verbreitet in der „Gourmet-Rohkost“. Ich hatte auch mal einige Zeit mit einem geliebäugelt, mich aber aus folgenden Gründen dagegen entschieden. Es ist schon ein großer Energieaufwand das Gerät stundenlang zu betreiben, abgesehen vom Dauerlärmpegel und dem Platzbedarf. Ich habe auch schon Rohkostbrot und Apfelchips in der Sonne getrocknet (im Mai, was wunderbar funktioniert hat). Nachdem ich sowieso denke, dass getrocknete Nahrungsmittel nur einen kleinen Teil ausmachen sollten, kann ich persönlich gut auf einen Dörrautomaten verzichten und bei Bedarf selbst in der Sonne trocknen oder wenn es hart auf hart kommt online bestellen.

  • Als Veganerin werde ich sehr oft gefragt, was ich esse. Jetzt stelle ich Dir diese Frage – was steht bei Dir normalerweise auf dem Speiseplan?

Es gibt ja auch in der Rohkost verschiedene Richtungen. Es gibt die Gourmet-Rohkost, es gibt die Urkost, LVRV (LowFatRawVegan). Ich weiß noch nicht genau, wo ich landen werde, ich möchte einfach Verschiedenes ausprobieren und schauen, womit es mir am besten geht. Momentan gibt’s bei mir fast jeden Morgen/Vormittag einen grünen Smoothie – falls mal nicht, gibt es Obst pur. Als Hauptmahlzeit stehen so viele „Gerichte“ zur Auswahl. Das geht von gemischten Salaten mit verschiedenen Dressings über „Suppen“ bis hin zu Nori-Rollen, gefüllten Champignons/Tomaten und Gemüsenudeln mit verschiedenen Soßen. An Süßkram und Snacks mangelt es auch nicht. Schokomousse, Eis und Rohkostkuchen – alles ist möglich. Getrocknete Feigen oder Datteln sind simpel aber, wie ich finde, sehr lecker, wenn man mal Gelüste nach Süßem hat. Nüsse sind sättigend und voller gesunder Fette und somit ein idealer Snack.

  • Welches Gericht hat Dich total positiv überrascht?

Jetzt musste ich wirklich überlegen, was da ganz besonders hervorgestochen ist. Ich weiß noch als ich das erste Mal „Cucumber meal“ gegessen habe – so was von simpel, dass es schon fast lächerlich ist, es Rezept zu nennen, aber einfach nur total gut. Gurke in kleine Würfel schneiden, Avocado in kleine Würfel schneiden, Salz dazu, durchmischen und circa zehn Minuten ziehen lassen. Und eins meiner Lieblingsdips: Zucchinihummus: Zucchini, Sesam, Zwiebel, Zitrone, Salz & Pfeffer. Alles mixen und fertig ist der Dip (wenn man Wasser hinzugibt kann man das auch prima als Salatdressing verwenden).

  • Welche Bücher & Blogs über Raw Food kannst Du empfehlen?

Es gibt so viele Blogs, eine kleine Auswahl hier, den Rest in meiner Blogliste auf meinem Blog: Rohzustand, Wurzelweber, Frucht & Grün , Eat & Think!, Roh mach froh!, Sweetly Raw , herzensfROH. Folgende Bücher stehen auf meiner „to-read“-Liste: „Die Sonnen-Diät: Ein vegetarisches Programm für Vitalität und Superfitness“ von David Wolfe, „Wir fressen uns zu Tode: Das revolutionäre Konzept einer russischen Ärztin für ein langes Leben bei optimaler Gesundheit“ von Galina Schatalova, „Heile dich selbst: Die Markus-Rothkranz-Methode“ von Markus Rothkranz.

  • Und zum Schluß: Hast Du ein Rezept, das Du gerne teilen möchtest?

Schokocreme: 1 kleine Avocado oder ½ große Avocado, 1 gut reife Banane, 3 EL Kakao, nach bedarf noch Datteln oder Agavendicksaft, Mixen und genießen. Wenn man eine feste Creme braucht (zum Beispiel für Rohkostkuchen), einfach noch 1-2 Esslöffel gemahlene Leinsamen mit mixen.

Kategorie Food
Autor

Ich bin Franziska und liebe schöne Dinge. Dazu gehören für mich unbedingt Mode sowie Kosmetik und auch gutes Essen in coolen Restaurants. Aber schön soll es nicht nur für mich sein, sondern auch für andere. Nämlich die Umwelt, Tiere und Menschen. Deshalb: vegan, eco und fair.

3 Kommentare

  1. rohkost heißt aber nicht automatisch vegan *klugscheiß* es gibt auch Rohköstler, die rohes Hirn löffeln oder an dörrfleisch rumkauen.

  2. für alle die nun (wie ich) sich unbedingt diese eine folge von SATC rein ziehen wollen, ich habe gerade danach gesucht ;)
    da ich glückliche besitzerin aller folgen und filme bin, konnte ich meinen drang gleich nachkommen und zum ca. fünften mal in die folge gucken.
    es handelt sich um staffel 6, folge 2, „great sexpectations“ bzw. „sexistenzangst“ :)
    xoxo & tofu
    claudi

  3. Liebe Franziska,

    interessantes Interview (und die zitierte Folge von SATC habe ich nur zu gut im Gedächtnis ;-)). Auch, wenn ich als kleine Frostbeule vor allem bei wahlweise regnerischem, windigem, frostigem, verschneitem, kaltem Wetter warme Nahrung regelrecht brauche, finde ich es spannend, dass es anderen eben nicht so geht. Und in mir wächst zumindest (mal wieder) der Wunsch, der Rohkost wenigstens einen etwas größeren Platz in Küche und Magen einzuräumen (was mir im Sommer relativ leicht fällt).

    Die Kirschbiene

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