Sustainable Sunday: Print Love

Vogue Australia Emma Watson Zitat I Veggie Love

Meine Liebe zu Print war einer der Gründe*, warum ich vor acht Jahren angefangen habe, ein Blog zu schreiben. Wenn damals in einem der Hochglanzmagazine auch nur die klitzekleinste Erwähnung von irgendwas mit Nachhaltigkeit oder gar Veganismus (2008/2009 sah das mit der Verbreitung des V-Worts noch ganz anders aus) statt fand, habe ich quasi vor Freude auf dem Tisch getanzt.

Inzwischen ist es selbstverständlicher geworden, faire Mode und Naturkosmetik in Magazinen zu sehen. Dennoch werden Strecken, in denen nur nachhaltige Labels zu sehen sind, immer besonders heraus gestellt. Was auf der einen Seite natürlich sehr positiv für die Wahrnehmung ist. Auf der anderen Seite werden damit allerdings diese Art von Produkten abgrenzt und es fällt umso mehr auf, dass sie offenbar (noch) nicht die Norm sind.

Üblicherweise ist es immer noch so, dass der Empfehlung von einem nachhaltigeren Produkt zahlreiche andere (konventionelle) Produkte gegenüber stehen und sie immer in der Minderheit sind. Das hat sicherlich auch sehr viel mit den Anzeigenkunden zu tun, denn im Vergleich sind die Marketingbudgets von grünen Marken meist klein(er) bis leider oft nicht vorhanden.

Business Vogue Deutschland Nachhaltigkeit I Veggie Love

In der Vergangenheit haben Elle und Madame eine Ausgabe im Jahr ganz im Zeichen von Green Glamour gestaltet. Dass sie das schon lange nicht mehr tun, deute ich als Zeichen, dass bei diesen Heften Nachhaltigkeit inzwischen ganz selbstverständlich in das redaktionelle Umfeld gehört.

Mich betrübt allerdings besonders, dass es so tolle Magazine wie Ivy (2007-2008) aus dem Burda Verlag und Noveaux (2015-2017) von Julia Akra-Laurien nicht mehr gibt. Ivy war damals offenbar und leider der Zeit voraus und behandelte ausschließlich nachhaltige Themen. Auch das von Julia eigenfinanzierte Noveaux, das bisher für mich schönste und coolste Fair Fashion Magazine, fehlt sehr in der Medienlandschaft.

Zwei Hefte oder besser gesagt zwei Ausgaben von Magazinen sind in diesem Jahr besonders aufgefallen.

Im März hat Vogue Australia gemeinsam mit der Gastautorin Emma Watson ein Heft dem Thema „Designing the Future“ gewidmet. Die Chefredakteurin Edwina McCann schreibt: „Eigentlich stellen wir im März immer die Mode der neuen Saison vor. Diesen März ist allerdings der richtige Zeitpunkt, über bedeutungsvollere Veränderungen als die Form und den Saum von Kleidungsstücken zu sprechen.“ Die Aktivistin und Schauspielerin Emma Watson wurde nicht nur für die Modestrecke (von Peter Lindbergh) in Vintage-Kleidung und Fair Fashion Labels fotografiert, sie hat dem ganzen Heft ihre Handschrift verpasst. So erfährt man ihre Empfehlungen rund um Mode, Kosmetik sowie ihre Leseliste, aber wird auch über Materialkunde aufgeklärt, liest was Slow Fashion bedeutet und wie man als Konsument*in seine Macht nutzen kann.

Vogue Australia Designing the future March Issue 2018 Emma Watson I Veggie Love

Die Vogue Australia hat übrigens etwas ganz Besonderes: Clare Press (deren Podcast Wardrobe Crisis ich oft im Sustainably Sunday empfehle) ist die in der Vogue-Familie weltweit erste Sustainability Editor-at-Large.

Ganz aktuell ist „The Sustainability Issue“ der britischen Elle. Das Magazin hat die wichtigste und auflagenstärkste Ausgabe des Jahres (September) der Zukunft der Mode gewidmet. Die Chefredakteurin Anne-Marie Curtis schreibt, dass sie auch über diese Ausgabe hinaus Veränderungen (in der Redaktion) vornehmen wollen: wie zum Beispiel der Integration von nachhaltigen Designern und Marken oder auch dem Abschaffen von Plastikflaschen in der Redaktion und bei Shootings. Die September-Ausgabe wurde (bis auf das hochglänzende Cover) auf Recyclingpapier gedruckt (mit Hilfe der Leipa GmbH aus Schwedt an der Oder) und hat damit das Papier aus etwa 1.000 Bäumen gespart.

Veggie Love I Elle UK September 2018 The Sustainability Issue

Im Heft kommen Jaden Smith, Pamela Anderson, Naomi Klein und Katharine Hamnet zu Wort. Darüber hinaus gibt es Inspiration, wie man alte Kleidungsstücke umarbeitet, ein A bis Z Anleitung für ein umweltfreundlicheres Leben und auch Naturkosmetik-Empfehlungen. Wie auch in der Vogue Australia wird Stella McCartney als Pionierin für nachhaltige Luxus-Mode porträtiert, in der Elle allerdings auch mit einem großen Fokus auf Stella’s Verzicht auf Leder und Pelz.

Last but not least: Die Vogue Deutschland hat im April in ihren Business-Ableger das Thema „Zurück zur Natur“ mit nachhaltigen Karrieren in den Fokus gerückt.

Ich gestehe: ich bin hin- und hergerissen. Einerseits wünsche ich mir, dass faire Mode und Naturkosmetik ein ganz normaler Teil des Heftinhalts sind und nicht mehr besonders betont werden müssen. Bis wir eines Tages überhaupt nicht mehr über fair und nachhaltig sprechen, sondern nur noch über Mode. Andererseits finde ich als ehemaliger Print-Junkie diese (besonderen) Ausgaben der Vogue Australia und Elle UK ziemlich cool und habe das Lesen sehr genossen. Auch wenn ich mir darüber bewusst bin, dass es sich eben nur um eine besondere Ausgabe handelt und es dieses Jahr noch 11 „normale“ Hefte gibt.

Deshalb: was denkst du? Liest du überhaupt noch gedruckte (Mode)magazine? Welche? Ich bin wirklich sehr neugierig auf deine Meinung.

*Vor über zehn Jahren habe ich mein Leben komplett auf den Kopf gestellt und habe alles verschlungen, was es im Print und online über Nachhaltigkeit und Veganismus zu lesen gab (nicht so viel, ehrlich gesagt). Mein (heimlicher) Traum war immer, für ein Hochglanzmagazin zu schreiben. Weil ich nicht das gefunden habe, was ich über veganen und nachhaltigen Lifestyle lesen wollte, habe ich mein Blog gegründet. Und damit nicht nur mein eigenes Bedürfnis gestillt, sondern auch den Traum vom Schreiben verwirklicht. Kurz danach erschien mein erster Artikel in einem Magazin (Ein kleiner Guide für München) und dank Julia von Noveaux durfte ich später mit daran arbeiten, ein Print-Magazin regelmäßig an den Kiosk zu bringen. Vor über einem Jahr habe ich aufgehört, jeden Monat kiloweise Magazine nach Hause zu tragen und lese inzwischen nur noch sehr selektiv (und viel online).

 

Fotos // Vogue Australia und Vogue Deutschland Business: Nora Dal Cero für Veggie Love

Kategorie Fashion
Autor

Ich bin Franziska und liebe schöne Dinge. Dazu gehören für mich unbedingt Mode sowie Kosmetik und auch gutes Essen in coolen Restaurants. Aber schön soll es nicht nur für mich sein, sondern auch für andere. Nämlich die Umwelt, Tiere und Menschen. Deshalb: vegan, eco und fair.

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