Veganismus & wie alles begann

In der aktuellen Ausgabe des Magazins EVE, das es im Bioladen oder –supermarkt gibt, wurde ich neben der Schauspielerin Alicia Silverstone, Käthe Henneke, der Gründerin von Biovegan und Hans-Peter Herzog von Provamel im Artikel „Ich bin ein…Veganer“ porträtiert. Darüber freue ich mich sehr und geehrt fühle ich mich dazu.

Während der Schulzeit schwärmte meine beste Freundin für einen attraktiven jungen Mann – er war Veganer. Das war das erste Mal, dass ich überhaupt von Veganismus gehört habe. Und nun − viele Jahre später – stehe ich mit meinem Veganismus in der Öffentlichkeit und mein Bild ist in einem Artikel über veganes Leben zu sehen. Eine gute Gelegenheit darüber zu schreiben, wie ich eigentlich zur Veganerin wurde.

Erst Vegetarierin…

Eines schönen Tages im Gymnasium beschloss ich, kein Fleisch mehr zu essen. Gemocht hatte ich das ohnehin nie – nur Hackfleisch und Wurst ging gerade so und darauf konnte auch ich locker verzichten. An einen Auslöser für diese Entscheidung kann ich mich nicht erinnern – nur an ein Video über die Abholzung von Regenwald für die Rinderhaltung, das ich als Kind gesehen hatte. Vielleicht hat das Jahre später Wirkung gezeigt. Fisch hatte ich noch nie gegessen, das musste ich also gar nicht erst vom Speiseplan streichen. Jahrelang war ich also Vegetarierin, thematisierte das nie groß, dachte leider nicht mal viel darüber nach – das war eben einfach so und für meine Familie und Freunde ganz normal.

…dann Veganerin

Nach dem Studium habe ich in München als PR-Beraterin gearbeitet. Das Arbeitsleben in Agenturen ist alles, was immer darüber behauptet wird: viel Arbeit und viele Überstunden, aber auch irgendwie aufregend. Nur mein Privatleben litt sehr in der Zeit sowie meine gesamte Work-Life-Balance. Ich habe nach einem Tritt in den Hintern gesucht, der mich vom Bürostuhl wieder regelmäßig auf die Yogamatte befördert und mehr Gemüse auf meinen Teller bringt. Da entdeckte ich das Buch „Skinny Bitch“ und bestellte es sofort. Es kam am 19. Januar 2008 bei mir an, das war ein Samstag. Ich habe es in einem Rutsch gelesen und BAM: es war um mich geschehen. Der Lebensmitteleinkauf, der darauf folgte, war vegan und mein Leben danach nicht mehr das Gleiche.

Umweltschutz, Ethik & Veganismus

Damals hatte ich gerade (wieder) angefangen, mich mit dem Thema Nachhaltigkeit zu beschäftigen und Blogs & Bücher über Umweltschutz und grünen Lebensstil zu lesen. Bevor ich Skinny Bitch in den Händen hielt, wusste ich nicht, dass es darin um Veganismus geht – ich hatte eher ein Motivationsbuch in Sachen Ernährung & Sport erwartet. Das Buch ist aber viel mehr und war mein fehlendes Puzzleteil: Vegetarismus war mir schon länger nicht mehr genug, der „übliche Umweltschutz“, wie Licht ausschalten, grüner Strom, Sammeln von Altglas oder der Papiertonne auch nicht. Fleisch und tierliche Produkte tragen erheblich zu Umwelt- und Klimaveränderungen bei, ganz zu schweigen von den ethischen Fragen, die mit der Tierhaltung und dem Konsum von Tieren und tierlichen Produkten einher gehen. Vegan zu leben ist für mich die konsequenteste und beste Art, nachhaltig und ethisch korrekt zu leben. Ein vollkommen CO2-neutrales und umweltverträgliches Leben zu führen, ist mit Sicherheit unmöglich – dennoch finde ich es wichtig, den Fußabdruck, den wir unvermeidbar auf unserer Erde hinterlassen, so klein wie möglich zu halten. Ebenso wie die Vermeidung von Leid – bei Tieren und auch bei Menschen.

In der Anfangszeit meines Veganismus gab es Augenrollen – daran erinnere ich mich noch gut. Auch in meiner damaligen Agentur, wo schon Vegetarismus eine super verrückte Nummer war. Meine Familie war – wie immer – sehr cool. Sehr viel musste ich an meinem Essverhalten auch gar nicht ändern – vom Vegetarismus ist der Schritt zum Veganismus nicht mehr so weit. Milchprodukte gibt es auch pflanzlich mit Soja, Hafer, Reis, Mandel oder Dinkel. Ebenso Sahne. Früher habe ich Käse geliebt – das Kapitel über Milchprodukte in Skinny Bitch hat das ein für allemal geändert. Mit veganem Käse konnte ich mich bisher nicht so recht anfreunden – No Muh Chäs oder Daiya Cheese erfreuen sich großer Beliebtheit, kann auf die Pizza oder aufs Brot gelegt werden und soll super schmecken. Schokolade gibt es auch in vegan (dunkle Schokolade ist es oft ohnehin), Kekse und Chips gibt es auch – aber vor allem gibt es Gemüse und Obst, Hülsenfrüchte, Nüsse und Getreide und schon ernährt man sich ganz prima, abwechslungsreich und ohne, dass einem geschmacklich was fehlt. Und Ersatzprodukte gibt es auch in vielfältiger Auswahl – bei Tofu & Soja finde ich es zudem wichtig, auf Bioqualität zu achten und von Herstellern zu kaufen, deren Bohnen in Deutschland angebaut werden.

Veganismus hört nicht an der Küchentür auf…

Nach einer Weile mit veganer Ernährung und dazu der Lektüre von zahlreichen Büchern, waren mein Badezimmer und auch der Kleiderschrank dran. Überwiegend Naturkosmetik gab es meinem Bad schon, mit der Zeit wurde alles Nicht-Vegane ersetzt. Naturkosmetik ist auch nicht immer gleich ohne jegliche tierlichen Produkte – auch hier habe ich gelernt, immer genau das Etikett zu lesen und Bienenwachs zu vermeiden, das sehr häufig verwendet wird. Als ich meinen Schrank und Schuhregal unter die Lupe genommen habe, war ich ziemlich erschrocken, von wie viel Leder ich umgeben war. Weil ich damals gerade ohnehin in einer Phase der großen Veränderungen steckte und mein Leben im großen Stil ausgemistet habe, habe ich die meisten Dinge einfach verschenkt und verkauft. Schuhe sind in der Tat ein Thema, darüber habe ich für ModeaFAIRe im vergangenen Jahr einen Artikel geschrieben.

Bio, Fairtrade & Vegan

Und heute? Lese ich gewissenhaft Etiketten. Bei Lebensmitteln, bei Kosmetika und auch bei Kleidung. Ohne tierliche Inhaltsstoffe und Materialien muss es sein, aber auch auf bio & fairtrade lege ich großen Wert. Tierversuche sind selbstverständlich auch indiskutabel. Denn keine Tiere und auch keine Menschen sollen leiden – für ein Kleidungstück, für eine Creme & Lippenstift oder für Nahrungsmittel oder für sonst irgendwas.

Und weil ich mich nicht nur in der Freizeit mit den Themen beschäftigen wollte, die mir am Herzen liegen und auf der Seele brennen, habe ich angefangen über Veganismus & Nachhaltigkeit zu schreiben und diese Themen in mein Berufsleben integriert.

Über Skinny Bitch: Die beiden Autorinnen Rory Freedman & Kim Barnouin beschreiben sehr detailliert, welche Wirkung Fleisch & tierliche Produkte auf Gesundheit und Umwelt haben und wie die Realität der Tierhaltung aussieht. Der Titel des Buches mag für viele abschreckend wirken und auch der raue Umgangston im Buch mag nicht jeden ansprechen (ich fand es sehr viel angenehmer, das Buch auf Englisch zu lesen). So provokant das Buch geschrieben ist, so simpel ist dessen Botschaft: Du bist, was du isst. Wie wahr. Es geht nicht darum, ein Hungerhaken zu sein, sondern darum seine Umwelt, Tiere, Menschen und auch sich zu lieben – und dementsprechend zu handeln. Für die Autorinnen des Buches ist Veganismus die Lebensweise, mit der sie genau das tun.

Vielen Dank an Stefanie Schmitz von EVE für das Interview & Matthias Hebeler von brainshirt für die Empfehlung!

„Tiere sind meine Freunde, und ich esse meine Freunde nicht.“ – George Bernhard Shaw

Kategorie Food
Autor

Ich bin Franziska und liebe schöne Dinge. Dazu gehören für mich unbedingt Mode sowie Kosmetik und auch gutes Essen in coolen Restaurants. Aber schön soll es nicht nur für mich sein, sondern auch für andere. Nämlich die Umwelt, Tiere und Menschen. Deshalb: vegan, eco und fair.

11 Kommentare

  1. freemindarella

    Hey Franziska,

    Du und Jonathan Safran Foer haben mich inspiriert und mich bestärkt Vegetarier zu werden. Eigentlich wollte ich das schon viel früher machen aber wie das immer so ist mit Gewohnheiten… es ist schwierig umzudenken. Vegan schaffe ich im Moment noch nicht, lese mich aber gerade in die Materie ein und werde den Schritt zum Veganer auch noch hin bekommen.

    Ich wollte einfach nur mal Danke sagen. Auch dafür das Du so locker und nett schreibst und Du nicht immer mit dem erhobenen Zeigefinger wedelst. :-)

    Über Tipps zum Thema Schuhe würden mich auch freuen. Es gibt in den Läden gerade in der kalten Jahreszeit viele Lederschuhe aber da muss es doch auch noch was anderes geben.

    Liebe Grüße

    • Franziska

      Liebe Freemindarella, vielen lieben Dank für Deinen Kommentar. In einem Atemzug mit Jonathan Safran Foer und Inspiration genannt zu werden, ist schon eine große Ehre – vielen Dank! Ich liebe es, vegan zu leben und wenn sich diese Begeisterung dann vermehrt und geteilt wird, das freut mich immer sehr – von daher danke ich Dir, dass Du mitliest und das ein oder andere für Dich mitnehmen willst. Sehr gerne gehe ich auf das Thema Schuhe ein, mein Artikel dazu ist ja nun auch schon ein Jahr alt und kann ruhig Auffrischung vertragen. Love & Veggies!

    • Franziska

      Liebe Emily – heute ist es hier in Berlin auch sehr kalt & windig. Aber ich bin überrascht, das mir nicht kalt ist (sonst friere ich eigentlich ständig). Mit dem Vitamix schafft man es sogar, eine Suppe lauwarm (eben bis 42 Grad) zu erhitzen. So ganz auf Wärme muss man also nicht verzichten. Love & Veggies!

  2. Liebe Franziska,

    bei dir hat die Umstellung auf vegan also auch von einem Tag auf den anderen funktioniert, nachdem es bei dir „klick“ gemacht hatte? Das war bei mir ganz genauso, also kein langsames Herantasten, sondern mehr „zack, bumm, bäng“ ;-).

    Wo ich schon mal hier bin – hast du einen heißen Tipp für mich, wo ich einen schönen, kuscheligen, stylishen Wintermantel bekommen könnte? Ich habe den Eindruck, in nahezu jedem Mantel ist Wolle enthalten, bin vom vielen Suchen schon leicht genervt. Vielleicht fällt dir ja spontan etwas ein, wo ich mich umsehen könnte? Das wäre suuuuper :-).

    Die Kirschbiene

    • Liebe Kirschbiene – ja, die Umstellung auf vegan (und auch die auf vegetarisch) ging von einem Tag auf den anderen. Da musste ich echt nicht lange fackeln, um zu wissen, dass ich das will. Aber ich kann auch nachvollziehen, dass eine Änderung von wahrscheinlich lebenslangen Gewohnheiten nicht für jeden über Nacht funktioniert. Von daher finde ich jede Veränderung, die jemand in Richtung Vegetarismus & Veganismus macht gut.

      Ich hatte vor zwei Jahren die Faxen dicke und mir eine Winterjacke bei Vaute Couture (http://www.vautecouture.com/) bestellt. Hier habe ich darüber geschrieben: https://www.veggie-love.de/2010/11/be-lovely-inside-then-out/ Aber es muss auch Jacken in Deutschland geben, oder? Ich halte mal die Augen offen! Love & Veggies, Franziska

  3. Wow ich finde deinen Blog richtig, richtig toll! Die ganze Aufmachung gefällt mir und hilft mir nochmal sehr, denn ich bin erst seit ein paar Tagen „vegan“. Es ist alles super interessant und ich werd sicher noch ein paar Stunden hier lesen! Und das Buch „skinny bitch“ wird auch bestellt! Dankeschön :)

    • Liebe Löwenherz – vielen lieben Dank für Deinen netten Kommentar! Hab schon einen kurzen Blick auf Dein Blog geworfen – I will be back for more! Wünsche Dir eine schöne & gute vegane Anfangszeit – bei mir war das so ein bisschen wie frisch verliebt sein. Love & Veggies, Franziska

  4. Hallo,

    toller Bericht, der mich deswegen besonders anspricht, weil ich selber gerade bei ‚Kosmetik und Kleiderschrank‘ angekommen bin. Und Skinny Bitch ist auch schon bestellt.

    Mich interessiert aber, wie Sie mit dem Thema Krankheit/ Medikamente umgehen. Je nach Krankheit ist es micht vermeidbar Medikamente einzunehmen, die tierversuchsfrei produziert wurden.

    Ich würde mich über eine Mail zu dem Thema freuen!

    Viele Grüße,
    Lisa

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *